Full text: Die deutsche Ölmüllerei

1. Die treibenden Kräfte. 
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Die Zahl der an den Pressen beschäftigten Arbeiter hat 
sich nur in den Ölfabriken um eine Person vermindert, in denen 
der vollständig automatisch arbeitende Kuchenschneider ein 
geführt ist. Wohl aber ist die Zahl der Pressen gestiegen, welche, 
trotz der jedesmal größeren Charge der Presse, von derselben 
Zahl Arbeiter bedient werden kann. Wir haben im vorigen Ab 
schnitte erfahren, daß vier Arbeiter zwei bis drei Pressen ä 3 bis 
10 Kuchen bedienen konnten; heute fand Verfasser Ölfabriken, 
in denen von vier Arbeitern zehn Pressen ä 16 Kuchen, bzw. 
neun Pressen ä 24 Kuchen bedient wurden. Eine derartige 
enorme Arbeitssteigerung der an den Pressen beschäftigten Per 
sonen ist erst möglich geworden mit der Einführung der Kuchen 
formmaschinen, mit deren Hilfe eine 17kuchige Presse in drei 
Minuten geladen werden kann. (Allerdings ist auch die Preß 
dauer aus Gründen einer besseren Ölausbeute verlängert und 
beträgt heute meistens 1/2—1 Stunde.) 
Deutlich zeigt sich die Herabminderung der Zahl der be 
nötigten Arbeitskräfte, bzw. die Erhöhung der Leistung des 
einzelnen Arbeiters auch an folgenden Zahlen: Um 1870 kamen 
in der Dampfölmühle in Mainz (nach Neußer System eingerich 
tet) an verarbeiteter Menge Rapssaat auf jeden der an den Pres 
sen beschäftigten Arbeiter in 12 Stunden ca. 510 kg 18 ); in einer 
vom Verfasser befragten modernen Ölfabrik auf jeden Arbeiter 
in 12 Stunden dagegen ca. 1500 kg. 
Über die Herabminderung des Preßtuchverschleißes kann 
leider zahlenmäßiges Material nicht gebracht werden, da über 
diesen Punkt aus früheren Jahren keine Angaben zur Verfügung 
stehen. Von welcher Bedeutung aber hier jede Verbesserung 
für die Herabsetzung der Produktionskosten ist, dürfte uns klar 
werden, wenn wir erfahren, daß vor einigen Jahren in einer 
großen mit anglo-amerikanischen Pressen arbeitenden Ölfabrik 
die jährlichen Preßtuchausgaben mit über 50000 M. ungefähr 
12% der gesamten Fabrikationskosten ausmachten 19 ). 
Die zweite große Gruppe der heute im Gebrauch befind 
lichen Pressen sind die sogen. „Seiherpressen“, welche sich aus 
18 ) Rühlmann, 1. c. 1. Aufl., Bd. II, S. 333. 
*•) Auf Grund persönlicher Erkundigungen. Rohmaterialkosten und 
Handlungsunkosten, Verzinsungs- und Amortisationsquote sind bei den 
Fabrikationskosten nicht mitberücksichtigt.
	        
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