Full text : Die deutsche Ölmüllerei

1.  Die  treibenden  Kräfte.

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Nach  dieser  Abschweifung  will  ich  nunmehr  versuchen,  die
vorher  gestellte  Frage  zu  beantworten,  weswegen  diejenigen  Ölmüller, ­
  welche  die  Vorteile  der  verbesserten  Technik  voll  ausnützen ­
  wollten,  in  den  meisten  Fällen  zu  einer  bedeutenden  Betriebsvergrößerung ­
  schreiten  mußten.  Ich  habe  bereits  darauf
hingewiesen,  eine  wie  gewaltige  Steigerung  der  Arbeitsleistung
der  an  den  Pressen  beschäftigten  Arbeiter  mit  der  Einführung
der  Kuchenformmaschinen,  Füllpressen  und  Kuchenschneidemaschinen ­
  verbunden  war.  So  beträgt  die  Leistung  der  Kuchenformmaschinen ­
  in  3  Minuten  17  Kuchen,  d.  h.  bei  einer  rationellen ­
  Arbeitsweise  kann  in  3  Minuten  eine  17kuchige  Etagenpresse ­
  geleert  und  wieder  gefüllt  werden.  Die  dabei  notwendige
Arbeitsteilung  wird  so  vorgenommen,  daß  ein  Arbeiter  die
Kuchenformmaschine  bedient,  ein  zweiter  die  Presse  entleert
und  ein  dritter  die  Presse  gleichzeitig  wieder  füllt 29 ).  Nimmt
man  nun  eine  Druckdauer  von  15  Minuten  an  (wie  sie  vor  1870
meistens  üblich  war),  so  können  diese  drei  Arbeiter  bei  voller
Ausnutzung  ihrer  Arbeitsfähigkeit  5  Pressen  ä  17  Kuchen  bedienen. ­
  Als  man  dann  später,  wie  vorher  geschildert,  aus  Gründen ­
  einer  besseren  Ölausbeute  zu  einer  Verlängerung  der  Druckdauer ­
  auf  eine  halbe  Stunde  und  mehr  überging,  erhöhte  sich
die  zu  einer  vollkommenen  Ausnutzung  der  Arbeitsfähigkeit  der
Kuchenformmaschine  und  der  an  den  Pressen  beschäftigten  Arbeiter ­
  notwendige  Zahl  von  Pressen  auf  10.
Naturgemäß  ist  eine  derartig  vollkommene  Ausnutzung  der
Arbeitsfähigkeit  der  Arbeiter  nicht  möglich,  denn  die  Arbeiter
können  sich  aus  physischen  Gründen  selbstverständlich  nicht
während  ihrer  ganzen  8—12stündigen  täglichen  Arbeitszeit  (von
den  Frühstücks-,  Mittags-  und  Vesperpausen  will  ich  hier  absehen)
  in  ununterbrochener  angestrengter  Tätigkeit  befinden.
Aus  diesem  Grunde  beschränkt  man  daher  entweder  die  Zahl
der  von  3  bzw.  4  Arbeitern  bedienten  Etagenpressen  bei  einhalbstündiger ­
  Preßdauer  auf  6—8,  wobei  die  Arbeiter  dann  alle
halbe  Stunden  ca.  6—12  Minuten  Pause  haben 30 ),  oder  man
29 )  Es  ist  hierbei  ein  vollkommen  automatisch  arbeitender  Kuchenschneider ­
  angenommen.  Arbeitet  die  Fabrik  ohne  einen  solchen,  so  ist
noch  ein  Arbeiter  zur  Bedienung  des  Kuchenschneiders  notwendig.
30 )  Es  ist  dies  nicht  so  zu  verstehen,  daß  die  Arbeiter  am  Schluß
jeder  Pressung  nun  ganze  6  bis  12  Minuten  Pause  haben,  sondern  dieselbe
wird  so  verteilt,  daß  die  Bedienung  der  Pressen  etwas  langsamer  geschieht
und  dann  am  Schluß  noch  einige  Minuten  überbleiben.
            
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