Full text : Die deutsche Ölmüllerei

126  HI.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

besserten  Preßtechnik  bei  dem  relativ  größeren  Arbeiterbestand
ohne  Zweifel  noch  ein  weit  höherer  gewesen  sein,  also  jede  Verminderung ­
  der  Zahl  der  benötigten  Arbeiter,  bzw.  jede  Steigerung ­
  der  Arbeitsleistung  der  Arbeiter  eine  nicht  unbedeutende
Verbilligung  der  Produktionskosten  zur  Folge  gehabt  haben.
An  einem  Beispiel  sei  dies  bewiesen 33 ):
In  einer  sächsischen  Ölmühle,  in  welcher  täglich  15  t  Rohmaterial ­
  verarbeitet  wurden,  wurden  bis  in  die  neunziger  Jahre
in  der  eigentlichen  Ölmühle  24  Arbeiter  beschäftigt  (Speicherund ­
  Hofarbeiter  nicht  mitgezählt).  Es  kamen  damals  an  Löhnen
auf  jede  verarbeitete  Tonne  Rohmaterial  7,20  M.  Ende  der  neunziger ­
  Jahre  verbesserte  die  Fabrik  ihre  technische  Einrichtung,
indem  an  Stelle  der  vorher  benutzten  vier  hydraulischen  Topfpressen ­
  und  sechs  hydraulischen  Beutelpressen  vier  Seiherpressen ­
  mit  2  automatischen  Füllapparaten  aufgestellt  wurden.
Die  tägliche  Leistungsfähigkeit  betrug  jetzt  ca.  14  t,  die  Zahl
der  ;um  Betriebe  nötigen  Arbeiter  aber  fiel  von  24  auf  11  34 ).
Obgleich  inzwischen  der  Durchschnittslohn  der  Arbeiter  von
3,81  M.  auf  4,04  M.  pro  Tag  gestiegen  war,  kamen  nunmehr
an  Arbeitslöhnen  auf  jede  Tonne  verarbeiteten  Rohmaterials
nur  mehr  4,47  M.,  es  war  also  eine  Verminderung  der  Produktionskosten ­
  um  2,73  M.  pro  verarbeitete  Tonne  Saat  eingetreten.
Man  könnte  nun  der  Meinung  sein,  daß  diese  Verminderung
der  Produktionskosten  wieder  ausgeglichen  würde  durch  die
größeren  Beträge,  welche  für  Unterhaltung  der  nötigen  höheren
Betriebskraft,  sowie  für  die  Verzinsung  und  Amortisation  des
bedeutend  höheren  Anlagekapitals  aufzuwenden  seien.  Auf  den
ersten  Punkt  einzugehen,  kann  ich  mir  im  Rahmen  dieser  Abhandlung ­
  versagen,  darf  ich  doch  die  feststehende  Tatsache,  daß
die  Kosten  einer  Dampfpferdekraft  sich  bei  weitem  niedriger
stellen  als  die  Kosten  einer  gleichgroßen  durch  Menschenkraft
geleisteten  Arbeit,  als  bekannt  voraussetzen.  Außerdem  bringen
ja  auch  die  vervollkommneten  Pressenanlagen,  wie  wir  vorher
gesehen  haben,  infolge  des  größeren  Fassungsvermögens  der
Pressen,  sowie  durch  Einführung  des  Akkumulatorenbetriebes
eine  direkte  Ersparnis  an  Arbeitskraft  mit  sich.  Auch  der  zweite

3S )  Auf  Grund  persönlicher  Erkundigungen.

34 )  Von  diesen  11  Arbeitern  waren  8  an  den  Pressen  in  zwei
Schichten  tätig;  von  den  früher  beschäftigten  24  Arbeitern  waren  dagegen
21  in  zwei  Schichten  an  den  Pressen  beschäftigt.
            
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