J40 IH. Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
nur ist die Menge der von den verschiedenen Extraktionsmitteln
gelösten Stoffe dieser Art verschieden und dementsprechend
auch die Qualität der erzeugten Öle. Das beste Lösungsmittel
in dieser Hinsicht ist ohne Zweifel der Tetrachlorkohlenstoff, in
der Praxis kurz „Tetra“ genannt; auf ihn folgt das Benzin, und
am wenigsten geeignet ist der Schwefelkohlenstoff. Auch in bezug
auf Lösemittelverluste, welche außer durch Undichtigkeiten
der Apparate und schlechteTrennung von Lösemittel und Öl bzw.
Rückstand auch durch mangelhafte Trennung von Extraktionsmittel
und Wasser beim Ausdämpfen, sowie durch Bildung von
unkondensierbaren Gemischen von Luft und Extraktionsmitteldampf
hervorgerufen werden, schneidet der Tetrachlorkohlenstoff
am besten ab. Obgleich somit das Tetra als das geeignetste
Lösemittel bezeichnet werden muß, hat es doch das Benzin, welches
in bezug auf Brauchbarkeit an zweiter Stelle steht und
heute meistens benutzt wird, nicht allgemein verdrängen können,
weil sein Preis noch ein sehr hoher ist, und außerdem die Anlagekosten
einer Tetraextraktionsanlage ungefähr doppelt so
hoch als die einer Benzinanlage sind, da Tetra die meisten Metalle
stark angreift, und man aus diesem Grunde verzinnte oder
verbleite Apparate verwenden muß.
Trotz aller dieser Verbesserungen und der unleugbaren Vorzüge,
welche das Extraktionsverfahren in bezug auf Anlage- und
Betriebskosten heute hat, werden dennoch die meisten Ölsamen
und Ölfrüchte immer noch nach dem Preßverfahren verarbeitet
57 ). Worin sind die Gründe hierfür zu suchen? ln bezug auf
Anlage- und Betriebskosten sind, wie gesagt, ohne Zweifel gut
eingerichtete Extraktionsanlagen weit besser gestellt als gleich
große nach dem Preßverfahren arbeitende Fabriken 58 ). Der
Grund liegt vielmehr heute einzig und allein in den Absatzverhältnissen.
Als Speiseöle kommen extrahierte Öle nicht in Betracht,
da sie durch das Abtreiben des Lösemittels an Geschmack
57 ) Bei der Gewerbezählung im Jahre 1907 wurden im deutschen
Reiche nur 8 nach dem Extraktionsverfahren arbeitende Fabriken gezählt.
Vgl. Anm. 3 auf S. 215/216.
58 ) Ich kann dies allerdings nicht zahlenmäßig beweisen, da die Anlage-
und Betriebskosten je nach den lokalen Verhältnissen ganz verschieden
sind und infolgedessen gar keine authentischen Zahlen vorliegen; wohl
aber wird meine Ansicht von allen Fachmännern und der gesamten einschlägigen
Literatur bestätigt.