Full text : Die deutsche Ölmüllerei

142  HI.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

Weit  günstiger  stehen  dagegen  diejenigen  mit  Extraktion
arbeitenden  Fabriken  da,  welche  Rohmaterialien  verarbeiten,
deren  Rückstände  nicht  als  Futtermittel  verwandt,  sondern  als
Düngemittel  oder  zu  gewerblichen  Zwecken  gebraucht  werden.
Ffier  treten  die  Vorteile  der  Extraktion  klar  zutage,  wird  doch
in  diesen  Fällen  der  Ölgehalt  der  Rückstände  nicht  bezahlt,  ja
derselbe  ist  sogar  vielfach,  wie  z.  B.  bei  der  Benutzung  als
Düngemittel,  direkt  schädlich.  In  Deutschland  werden  allerdings
solche  Saaten  nur  in  ganz  geringen  Mengen  verarbeitet,  und  es
gibt  aus  diesem  Grunde  nur  sehr  wenige  nach  dem  Extraktionsverfahren ­
  arbeitende  Ölfabriken.  Diese  verarbeiten,  soweit  mir
bekannt  geworden,  nur  Palmkeme  nach  dem  Extraktionsverfahren, ­
  und  zwar  liegt  der  Hauptgrund  der  Extraktion  darin,
daß  die  Rückstände  der  Palmkemölfabrikation  zum  Teil  in  der
Zuckerindustrie  zur  Aufsaugung  von  Zuckermelasse  Verwendung ­
  finden,  und  dabei  der  Ölgehalt  der  Rückstände  keine  Rolle
spielt.

B.  Die  Rohmaterialfrage.
Habe  ich  auf  den  vorhergehenden  Seiten  zu  zeigen  versucht, ­
  welchen  gewaltigen  Einfluß  die  technischen  Fortschritte
auf  die  großindustrielle  Entwicklung  der  deutschen  Ölindustrie
gehabt  haben,  so  wäre  es  dennoch  verfehlt,  eben  diese  Entwicklung ­
  allein  auf  die  Technik  als  Ursache  zurückzuführen,  haben
doch  neben  dieser  ohne  Zweifel  noch  die  verschiedensten  wirtschaftlichen ­
  Faktoren  eine  Rolle  gespielt.  Von  nicht  zu  unterschätzender ­
  Bedeutung  ist  unter  diesen  die  Frage  der  billigsten
Beschaffung  der  Rohmaterialien  gewesen.
Ich  habe  an  anderer  Stelle  näher  ausgeführt,  daß  Preußen
am  Anfänge  des  vorigen  Jahrhunderts  fast  ausschließlich  einheimische ­
  Ölsaaten  verarbeitete,  und  daß  unter  diesen  die  Rapsund ­
  Leinsaat  weitaus  die  erste  Stelle  einnahmen.  Bis  zum  Jahre
1870  traten  in  diesen  Verhältnissen  nur  geringe  Änderungen  ein,
da  mit  dem  gewaltig  steigenden  Konsum  von  Rüböl  auch  der
Anbau  der  Rapspflanze  immer  mehr  an  Ausdehnung  gewann.
Liegen  auch  über  die  Größe  der  Anbaufläche  der  Ölgewächse ­
  keine  statistischen  Aufnahmen  vor,  so  geht  die  Vermehrung ­
  des  Rapsbaues  doch  deutlich  aus  den  Angaben  über
den  auswärtigen  Handel  hervor,  nach  denen  die  Einfuhr  von
            
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