1. Die treibenden Kräfte.
141
leiden, ein Nachteil, welcher sich nie abstellen lassen wird, da
man das Lösungsmittel nur durch Erhitzung entfernen kann. Zur
Verwendung zu technischen Zwecken sind aber die extrahierten
Öle den gepreßten durchaus gleichwertig, ja es wird sogar von
mancher Seite behauptet, daß hier die extrahierten öle vorzuziehen
seien. Der Hauptnachteil des Extraktionsverfahrens beruht
in den schlechten Absatzmöglichkeiten für die Rückstände.
Die Rückstände der Ölfabrikation werden zum allergrößten
Teile von der Landwirtschaft bezogen, wo sie meistens als Kraftfuttermittel
Verwendung finden. Vielfach bestehen hier nun
gegen Extraktionsmehle heute allerdings ganz unbegründete
Vorurteile, welche noch aus der Zeit herrühren, wo die vollständige
Vertreibung des Lösungsmittels aus den Rückständen
noch nicht gelang und die Rückstände vom Vieh wegen ihres
schwachen Benzin- oder Schwefelkohlenstoffgeruches nicht gefressen
wurden.
Wichtiger ist der zweite Einwand, der gegen die Extraktionsmehle
geltend gemacht wird. Dieser beruht gerade auf
ihrer Ölarmut; man hat nämlich inzwischen eingesehen, daß
auch dem Fettgehalt der Rückstände ein großer Wert für die
Ernährung der Tiere zukommt und bezahlt heute die Rückstände
je nach ihrem Fettgehalt verschieden hoch 59 ). Abgesehen davon,
daß aus diesen Gründen die Extraktionsmehle als Kraftfuttermittel
überhaupt nur schwer Absatz finden, werden sie daher
auch bedeutend niedriger bezahlt als die Preßrückstände, wodurch
der durch die größere Ölausbeute erzielte Mehrverdienst
der Extraktionsfabriken zum großen Teil wieder ausgeglichen
wird. Deutlich illustriert wird diese Tatsache durch die Verkaufsangaben
der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Dieselbe
verkaufte im Jahre 1905 an ihre Mitglieder 90717 Doppelzentner
Ölkuchen verschiedener Provenienz, konnte dagegen
nur 200 Doppelzentner Extraktionsmehl (Erdnußmehl) placieren,
und der für Exlraktionserdnußmehl erzielte Preis betrug zirka
12,36 M. pro 100 kg gegenüber 14,06 M., mit welchem Preise
Erdnußpreßkuchen von gleichem Nährstoffgehalt bezahlt
wurden 60 ).
S9 ) Im Ölkuchenhandel hat es sich allgemein eingebürgert, einen bestimmten
Prozentsatz von Protein und Fett zu garantieren, und schwanken
die Preise nach diesem Gehalt.
80 ) Hefter, 1. c., Bd. I, S. 433.