Full text : Die deutsche Ölmüllerei

1.  Die  treibenden  Kräfte.

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leiden,  ein  Nachteil,  welcher  sich  nie  abstellen  lassen  wird,  da
man  das  Lösungsmittel  nur  durch  Erhitzung  entfernen  kann.  Zur
Verwendung  zu  technischen  Zwecken  sind  aber  die  extrahierten
Öle  den  gepreßten  durchaus  gleichwertig,  ja  es  wird  sogar  von
mancher  Seite  behauptet,  daß  hier  die  extrahierten  öle  vorzuziehen ­
  seien.  Der  Hauptnachteil  des  Extraktionsverfahrens  beruht ­
  in  den  schlechten  Absatzmöglichkeiten  für  die  Rückstände.
Die  Rückstände  der  Ölfabrikation  werden  zum  allergrößten
Teile  von  der  Landwirtschaft  bezogen,  wo  sie  meistens  als  Kraftfuttermittel ­
  Verwendung  finden.  Vielfach  bestehen  hier  nun
gegen  Extraktionsmehle  heute  allerdings  ganz  unbegründete
Vorurteile,  welche  noch  aus  der  Zeit  herrühren,  wo  die  vollständige ­
  Vertreibung  des  Lösungsmittels  aus  den  Rückständen
noch  nicht  gelang  und  die  Rückstände  vom  Vieh  wegen  ihres
schwachen  Benzin-  oder  Schwefelkohlenstoffgeruches  nicht  gefressen ­
  wurden.
Wichtiger  ist  der  zweite  Einwand,  der  gegen  die  Extraktionsmehle ­
  geltend  gemacht  wird.  Dieser  beruht  gerade  auf
ihrer  Ölarmut;  man  hat  nämlich  inzwischen  eingesehen,  daß
auch  dem  Fettgehalt  der  Rückstände  ein  großer  Wert  für  die
Ernährung  der  Tiere  zukommt  und  bezahlt  heute  die  Rückstände
je  nach  ihrem  Fettgehalt  verschieden  hoch 59 ).  Abgesehen  davon, ­
  daß  aus  diesen  Gründen  die  Extraktionsmehle  als  Kraftfuttermittel ­
  überhaupt  nur  schwer  Absatz  finden,  werden  sie  daher ­
  auch  bedeutend  niedriger  bezahlt  als  die  Preßrückstände,  wodurch ­
  der  durch  die  größere  Ölausbeute  erzielte  Mehrverdienst
der  Extraktionsfabriken  zum  großen  Teil  wieder  ausgeglichen
wird.  Deutlich  illustriert  wird  diese  Tatsache  durch  die  Verkaufsangaben ­
  der  deutschen  Landwirtschaftsgesellschaft.  Dieselbe ­
  verkaufte  im  Jahre  1905  an  ihre  Mitglieder  90717  Doppelzentner ­
  Ölkuchen  verschiedener  Provenienz,  konnte  dagegen
nur  200  Doppelzentner  Extraktionsmehl  (Erdnußmehl)  placieren,
und  der  für  Exlraktionserdnußmehl  erzielte  Preis  betrug  zirka
12,36  M.  pro  100  kg  gegenüber  14,06  M.,  mit  welchem  Preise
Erdnußpreßkuchen  von  gleichem  Nährstoffgehalt  bezahlt ­
  wurden 60 ).

S9 )  Im  Ölkuchenhandel  hat  es  sich  allgemein  eingebürgert,  einen  bestimmten ­
  Prozentsatz  von  Protein  und  Fett  zu  garantieren,  und  schwanken
die  Preise  nach  diesem  Gehalt.

80 )  Hefter,  1.  c.,  Bd.  I,  S.  433.
            
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