Full text : Die deutsche Ölmüllerei

146  III*  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

hältnisse  Gesagte,  ist  doch  innerhalb  dieser  sieben  Jahre  kein
einziges  Mal  eine  gute  Mittelernte  erzielt  worden.  Es  betrug
die  Erntemasse  an  Rapssaat  in  Bruchteilen  einer  guten  Mittelernte ­
  ausgedrückt 64 ):

1860

0,93

1861

0,74

1862

0,78

1863

0,92

1864

0,65

1865

0,37

1866

0,78

Die  Verminderung  der  der  deutschen  Ölindustrie  zur  Verfügung ­
  stehenden  in  Deutschland  geernteten  Menge  Leinsaat  ist
in  erster  Linie  zurückzuführen  auf  den  Rückgang  der  deutschen
Leinenmanufaktur.  Da  aus  klimatischen  Gründen  ein  Ausreifen
der  Leinsaat  an  der  Pflanze  in  Deutschland  nur  in  den  seltensten
Fällen  möglich  ist,  wurde  der  Lein  hier  von  jeher  fast  ausschließlich ­
  als  Gespinstpflanze  zum  Zwecke  der  Flachsgewinnung  angebaut, ­
  die  sofort  nach  der  Blüte  erfolgt.  Die  dabei  als  Nebenprodukt ­
  gewonnenen  Leinsamen  sind,  weil  sie  nicht  ausgereift
sind,  als  Saatgut  nicht  zu  gebrauchen  und  werden  daher  zur  Ölgewinnung ­
  verwandt.  Seit  dem  Ende  des  18.  Jahrhunderts  nun
hat  die  Bedeutung  der  Leinenindustrie  mit  der  Einführung  der
Baumwolle  und  der  Vervollkommnung  in  der  Technik  der  Verarbeitung ­
  der  Baumwolle  und  Schafwolle  ständig  abgenommen,
und  die  Preise  des  Leinens  gingen  infolge  der  Konkurrenz  der
Woll-  und  Baumwollwaren  wesentlich  zurück.  Naturgemäß  blieb
dieser  Rückgang  der  Leinenindustrie  nicht  ohne  Einfluß  auf  den
Anbau  des  Flachses.  Schon  seit  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts
hörte  man  vielfach  Klagen  über  häufige  Mißernten  beim  Flachsbau, ­
  und  die  Anbaufläche  desselben  nahm  schon  zu  jener  Zeit
ab 65 );  als  nun  auch  noch  die  Flachspreise  fielen,  wurde  der
e4 )  Meitzen,  1.  c.,  Bd.  IV,  S.  526.
66 )  Diese  Abnahme  des  Flachsbaues  kann  man  z.  B.  aus  einer  bayerischen ­
  Verordnung  vom  Jahre  1762  erkennen,  in  der  jedem  Bauer  anbefohlen ­
  wurde,  auf  seinem  Acker  eine  verhältnismäßige  Menge  Flachs  und
Hanf  zu  bauen.  (Viebahn,  „Statistik  des  zollgeeinten  Deutschlands",  Bd.  II,
1862,  S.  897.)
Als  Grund  für  die  häufigen  Mißernten  wird  bei  den  meisten  Schriftstellern ­
  Veränderung  der  klimatischen  Verhältnisse  angegeben.
            
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