Full text : Die deutsche Ölmüllerei

1.  Die  treibenden  Kräfte.

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Flachsbau  in  vielen  Gegenden  direkt  unlohnend,  und  man  ging
aus  diesem  Grunde  zum  Anbau  anderer  mehr  Erfolg  versprechender ­
  Gewächse  über.  Während  der  ersten  Hälfte  des  vorigen
Jahrhunderts  hat  man  dann  ununterbrochen  versucht,  durch
staatliche  Unterstützungen  und  Begünstigungen  sowie  durch  aufklärende ­
  Tätigkeit  patriotischer  Vereine  (Verein  zur  Beförderung ­
  des  Gewerbefleißes  in  Preußen)  die  herabgekommene
Leinenindustrie  und  den  Flachsbau  wieder  zu  heben,  aber  alle
diese  Bemühungen  waren  erfolglos  und  trugen  nur  zur  Verbreitung ­
  der  Überzeugung  bei,  daß  der  Flachsbau  in  Deutschland
nie  mehr  in  der  früheren  Allgemeinheit  betrieben  werden  kann 66 ).
Der  Rückgang  des  Anbaues  des  Rapses  und  Leins  wurde
somit  in  erster  Linie  veranlaßt  durch  Veränderungen  in  den  industriellen ­
  Verhältnissen,  welche  ihrerseits  wieder  Veränderungen ­
  in  den  landwirtschaftlichen  Anbauverhältnissen  zur  Folge
hatten.  Obgleich  diese  Tatsache  sich  ohne  Zweifel  auch  durch
genaue  statistische  Untersuchungen  einwandfrei  beweisen
läßt  (ich  muß  es  mir  im  Rahmen  dieser  Abhandlung  versagen,
näher  in  diese  Nachforschungen  einzutreten),  wird  von  agrarischer ­
  Seite  in  neuerer  Zeit  immer  wieder  versucht,  den  Rückgang ­
  des  Raps-  und  Leinbaus  in  erster  Linie  auf  das  Sinken  der
Saatpreise  zurückzuführen,  ohne  daß  allerdings  der  Beweis  für
diese  Behauptung  erbracht  wird.  Um  daher  den  für  das  Gedeihen ­
  der  Landwirtschaft  wichtigen  Rapsbau  und  den  Leinsaatbau ­
  wieder  zu  heben,  sind,  so  wird  von  agrarischer  Seite
auf  Grund  obiger  Behauptung  weiter  argumentiert,  auf  die  Einfuhr ­
  ausländischer  Ölsaaten  Einfuhrzölle  zu  legen,  um  auf  diese
Weise  den  Anbau  im  Inlande  lohnender  zu  gestalten.  Diese
Klagen  hatten  bei  der  Neugestaltung  des  Zolltarifs  im  Jahre
1885  eine  Änderung  der  Position  Ölsaaten  zur  Folge.  Während
bis  zu  diesem  Zeitpunkte  alle  Ölsaaten  mit  Ausnahme  der  Rapssaat, ­
  welche  einen  Einfuhrzoll  von  0,30  M.  pro  100  kg  zu  zahlen
hatte,  zollfrei  eingehen  konnten,  waren  von  nun  an  nur  noch
Leinsaat,  Baumwollsaat,  Palmkerne,  Kopra  und  Rizinussamen
zollfrei,  während  für  alle  anderen  Ölsaaten,  darunter  Raps,  Mohn,
Erdnüsse  und  Sesam,  ein  Zoll  von  2  M.  pro  Doppelzentner  festgesetzt ­
  wurde.  Als  dann  im  Jahre  1902  abermals  der  Zolltarif
geändert  wurde,  wurden  die  Ölsaaten  noch  stärker  belastet,  in-#e

 )  Vgl.  Viebahn,  1.  c.,  Bd.  II,  S.  897.

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