1. Die treibenden Kräfte. 145
des gewaltigen Rückganges der mit Ölsaaten bebauten Fläche
hinzuweisen.
Wir haben gesehen, daß bis über die Mitte des vorigen
Jahrhunderts hinaus der Rapsbau in Deutschland immer mehr an
Ausdehnung gewann, und daß erst seit den siebziger Jahren der
Umschwung eingetreten und seit dieser Zeit der Rückgang ein
ständiger gewesen ist. Der Hauptgrund für diese Tatsache ist
in dem bedeutenden Wachstum der deutschen Zuckerindustrie /,
zu sehen, welche eine gewaltige Vermehrung des Zuckerrübenbaues
zur Folge hatte. Bei dem steigenden Bedarf der Zuckerrübenfabriken
an Rohmaterial ging der Landwirt in immer ausgedehnterem
Maße dazu über, an Stelle des Rapsbaues den
Zuckerrübenbau zu betreiben. Veranlaßt wurde der Landwirt
hierzu durch den sichereren Gewinn, welchen ihm der Zuckerrübenbau
einbrachte, denn die Erträgnisse des Rapsbaues waren,
wie wir gleich sehen werden, äußerst schwankende und unsichere.
Über die Anbauverhältnisse des Rapses schreibt Meitzen in
seinem bekannten Werke „Der Boden und die landwirtschaftlichen
Verhältnisse des preußischen Staates“ 62 ) folgendes:
„. . . Bei der Stärke der Düngung, welcher er bedarf, und den
geringen Rückständen, welche er wie alle Ölfrüchte der Wirtschaft
liefert, muß der Anbau des Rapses in beschränkten Grenzen
gehalten werden. Die Gefahren bei seinem Anbau sind sowohl
beim Anbau als Sommer-, wie auch beim Anbau als Winterfrucht
groß; er leidet vielfach durch Auswintern und Wurzelfäule,
auch wird er von Pilzen befallen, die sich bei günstiger
Witterung rasch verbreiten; auch verschiedene Tiere* wie der
Erdfloh, der Engerling usw. zerstören jährlich einen großen Teil
der Blüten, ja häufig richten sie sogar so viel Schaden an, daß
der ganze Reinertrag verloren geht.“ Entsprechend diesen Anbauverhältnissen
sind die Ernteerträge äußerst unsichere und
sehr schwankend. So betrug 1878 die Ernte 12,7 dz pro Hektar,
1883, 1888 und 1893 zwischen 9,2 und 10,9 dz und 1898 13,5 dz;
als Grenzzahlen betrachtet man etwa 5,5 und 17,5 dz pro Hektar
63 ). Auch die folgenden Zahlen, welche für die Jahre 1860
bis 1866 die Ernteerträge an Rapssaat in Bruchteilen einer guten
Mittelernte angeben, beweisen das vorher über die Anbauver-62
) B. II, S. 234.
63 ) Vgl. „Organ für den Öl- und Fetthandel“, Jahrg. 1900, Nr. 10.
Klaue, Ölmüllerei. 10