Full text : Die deutsche Ölmüllerei

150  III.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.
Leinöls  und  Rüböls  zu  Faktis,  die  vermehrte  Verwendung  des
Baumwollsaat-  und  besonders  des  Sesamöles 68 )  in  der  Margarineindustrie ­
  und  in  neuester  Zeit  die  Verarbeitung  des  Kopraöles
  zu  Kunstbutter,  die  in  den  letzten  Jahren  eine  außerordentliche ­
  Vermehrung  erfahren  hat.
So  kommt  es,  daß  die  Einfuhrziffern  aller  Ölsaaten  seit  1870
ein  dauerndes  Wachstum  zeigen 69  70 ).

Es  betrug  die

Mehreinfuhr  von

Leinsaat

1909

430242  t  gegenüber

22705

t  im  Jahre

1872

Palmkerne
Kopra 7 ®)

1909
1909

230388  t  \
108673  t  J

24737

t  „

ft

1872

Rapssaat

1909

137625  t

6053

t  „

ft

1872

Baumwollsaat

1909

93226  t

11

t  „

ff

1890

Sesamsaat

1909

77940  t

2914

t  „

ft

1880

Erdnüsse

1909

49891  t

3539

t  „

ft

1880

Mohnsaat

1909

20301  t

1126

t  „

ff

1872

Nachdem  wir  nunmehr  die  Ursachen  kennen  gelernt  haben,
welche  die  Veränderung  in  den  Bezugsquellen  der  für  die  Ölgewinnung ­
  benötigten  Rohmaterialien  veranlaßten,  können  wir
uns  mit  der  Frage  beschäftigen,  welchen  Einfluß  diese  Erscheinung ­
  auf  die  Gestaltung  der  Betriebsgrößen  ausgeübt  hat.  Im
vierten  Abschnitte,  in  welchem  ich  die  Veränderungen  imStand-68
 )  Auf  Grund  des  Margarinegesetzes  vom  Jahre  1896  muß  jeder
Margarine  10%  Sesamöl  zugesetzt  werden  zum  Zwecke  einer  leichteren
Unterscheidung  von  Naturbutter.  Da  die  deutsche  Margarineindustrie
jährlich  ca.  100  Mill.  kg  Margarine  fabriziert,  werden  auf  Grund  obigen
Gesetzes  seit  1896  von  dieser  Industrie  allein  jährlich  ca.  10  000  t  Sesamöl
benötigt.
6 ")  Allein  die  Importziffern  für  Rapssaat  zeigen  in  den  letzten  Jahren
einen  Stillstand.  Es  hängt  dies  ohne  Zweifel  mit  den  verminderten  Absatzmöglichkeiten ­
  für  Rüböl  zusammen,  auf  die  ich  an  anderer  Stelle  noch  zu
sprechen  komme  (vgl.  Kap.  II  ds.  Abschn.).
70 )  Besonders  in  den  letzten  Jahren  zeigt  sich  eine  gewaltige  Vermehrung ­
  des  Kopraimports,  was  wohl  mit  dem  bedeutenden  Wachstum
der  deutschen  Kunstbutterindustrie  zusammenhängt.  Es  betrug  die  Einfuhr

von  Kopra  im  deutschen  Reich:
1906  (März  bis  Dezember)  39127  t
1907  49785  „
1908  83  669  „
1909  112159  „
1910  155989  „
            
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