Full text : Die deutsche Ölmüllerei

176  HL  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.
stände  in  den  kleineren  Mühlen.  So  heißt  es  z.  B.  in  dem  Jahresbericht ­
  der  Berufsgenossenschaft  über  das  Jahr  1909  von  den
kleinen  Wind-  und  Wassermühlen  (es  wird  in  diesem  Berichte
ganz  allgemein  von  den  diesen  Mühlen  anhaftenden  Nachteilen
gesprochen,  ohne  den  besonderen  Zweck  der  Mühle  —  Getreide-, ­
  Ölsamen-,  Holzverarbeitung  usw.  —  zu  berücksichtigen):
„Es  kann  kaum  verschwiegen  werden,  daß  die  Aufstellungsräume ­
  der  Maschinen  nicht  immer  geeignete  sind.  Oft  ist  kaum
Platz  für  den  Durchgang  vorhanden,  so  daß  die  ganze  Anlage
eine  stete  Gefahr  darstellt.  Bei  Betrieben  dagegen,  welche  mit
Wärmemotoren  arbeiten,  und  bei  denen  diese  die  hauptsächlichste ­
  oder  einzige  Kraftquelle  bedeuten,  kann  nur  in  wenigen
Fällen  ein  Mangel  festgestellt  werden.“  An  einer  anderen  Stelle
wird  dann  weiter  ausgeführt:  „Was  die  Transmission  angeht,
so  bieten  auch  hier  die  Anlagen  in  alten  Gebäuden  die  meiste
Gefahr,  da  sich  Welle  und  Riementrieb  in  nur  geringer  Höhe
befinden  und  der  Durchgang  nur  in  gebückter  Stellung  möglich ­
  ist;  unter  diesen  Umständen  ist  es  mit  großer  Schwierigkeit
verknüpft,  Schutzvorrichtungen  praktisch  anzuordnen,  denn  die
enge  Passage  wird  dadurch  noch  mehr  verengt.“  Die  Gründe
für  letztere  Tatsache  liegen  nach  Meinung  der  Aufsichtsbeamten
einerseits  in  der  Schwierigkeit  der  Anbringung  von  Schutzvorrichtungen ­
  in  Kleinbetrieben,  da  dazu  häufig  bauliche  Veränderungen ­
  notwendig  wären,  welche  der  Besitzer  wegen  seiner  an
und  für  sich  schon  mißlichen  wirtschaftlichen  Lage  nicht  vornehmen ­
  lassen  kann,  andererseits  darin,  daß  der  Besitzer  diesen
Forderungen  überhaupt  verständnislos  gegenübersteht.  „Es  finden ­
  sich  Mühlen,  die  seit  vielen  Jahren  im  Besitze  derselben
Familien  sind;  der  Inhaber  ist  zwischen  all  den  Rädern  und
Riementrieben  aufgewachsen  und  von  Kind  auf  an  die  Verhältnisse ­
  der  Arbeitsstätte  gewöhnt.  Er  ist  so  mit  seinem  Betriebe
verbunden,  daß  er  die  Gefahr  für  den  Fremden,  also  seinen
Arbeiter,  vollständig  verkennt.“
Auch  in  den  größeren  Betrieben  hat  die  Erweiterung  der
Arbeitsräume  und  die  damit  verbundene  Herabminderung  der
Unfallgefahr  eigentlich  allgemeiner  erst  in  den  letzten  zehn  bis
zwanzig  Jahren  stattgefunden.  Zwar  waren  hier  die  Arbeitsräume
von  Anfang  an  bedeutend  größer  als  in  den  Kleinbetrieben,
doch  wurde  auch  in  ihnen,  so  weit  nur  irgend  möglich,  aller
vorhandene  Platz  ausgenutzt,  weil  man  jede  Kraftübertragung
            
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