Full text : Die deutsche Ölmüllerei

182  HI.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.
d.  s.  also  die  im  eigentlichen  Ölmühlenbetriebe  tätigen  Personen,
zu  den  Arbeitern  ohne  Vorbildung  gerechnet,  ohne  Zweifel  muß
aber  der  Ölschläger  in  den  kleinen  nach  alter  Technik  arbeitenden ­
  Ölmühlen,  wie  oben  näher  ausgeführt,  eine  nicht  zu  gering
einzuschätzende  Vorbildung  besitzen,  ehe  er  es  bei  Ausübung
seiner  Tätigkeit  zur  Vollkommenheit  bringt;  er  darf  daher,  was
Vorbildung  anbelangt,  keineswegs  auf  die  gleiche  Stufe  mit  denjenigen ­
  Arbeitern  gestellt  werden,  welche  die  Pressen  und
Wärmeapparate  in  den  modernen  Ölmühlen  bedienen.
Dieser  Mangel  der  Zählweise  der  Berufsstatistik  ist  eine
Folge  davon,  daß  die  Berufsstatistik  nur  gelernte  und  ungelernte
Arbeiter  unterscheidet.  Unter  einem  gelernten  Arbeiter  versteht
man  einen  Arbeiter,  der  sich  seine  besondere  Arbeitsfähigkeit
während  einer  längeren  Lehrzeit  erworben  hat,  unter  einem  ungelernten ­
  Arbeiter  einen  solchen,  der  keine  Lehrzeit  durchgemacht ­
  hat.  Zwischen  beiden  aber  stehen  die  sogen,  angelernten
Arbeiter,  d.  s.  Arbeiter,  welche  solche  Arbeiten  verrichten,  zu
denen  eine  mehrtägige  bis  mehrmonatliche  Lehrzeit  notwendig
ist.  Es  dürfte  nun  ohne  weiteres  einleuchten,  daß  die  Zuteilung
der  Arbeiter  in  der  Berufsstatistik  zu  der  Kategorie  der  gelernten ­
  oder  ungelernten  Arbeiter  zumindest  solange  eine  willkürliche ­
  bleibt,  bis  genauere  Angaben  über  die  Länge  der  Lehrzeit ­
  festgelegt  werden,  welche  für  den  Begriff  „der  gelernten
Arbeit“  notwendig  ist.
Auf  eine  andere  Schwäche  der  Berufsstatistik  will  ich  hier
nur  kurz  hinweisen.  Es  handelt  sich  dabei  um  den  Übergang
gelernter  Arbeiter  in  höheren  Altersklassen  zu  den  Beschäftigungen ­
  der  ungelernten  Arbeiter,  sei  es  nun  in  demselben  Industriezweige, ­
  oder  in  einem  anderen.  In  der  Berufsstatistik  erscheinen ­
  diese  Arbeiter  immer  noch  als  gelernte  Arbeiter,  obgleich ­
  sie  doch  nunmehr  eigentlich  zur  Berufsstellung  der
ungelernten  Arbeiter  gehörten.  Infolge  mangelnden  Materials
war  es  mir  leider  nicht  möglich,  für  den  hier  behandelten  Industriezweig ­
  Untersuchungen  über  diesen  Punkt  anzustellen;  da
aber  für  einige  andere  Industriezweige,  wie  z.  B.  für  die  Maschinenindustrie, ­
  solche  Übergänge  tatsächlich  in  größerer  Zahl
festgestelit  worden  sind,  liegt  imjmerhin  auch  für  die  Ölindustrie
die  Möglichkeit  vor,  daß  auch  hier  in  der  Berufsstatistik  zu  den
gelernten  Arbeitern  Arbeiter  gezählt  worden  sind,  welche  in
Wirklichkeit  mit  ungelernter  Arbeit  beschäftigt  werden.
            
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