Full text : Die deutsche Ölmüllerei

188  HI.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

Arbeiter  (einschließlich  Familienangehörige)  im  Jahre  1882  auf
19,5%,  im  Jahre  1907  gesunken.
Bei  meinen  früheren  Ausführungen  habe  ich  bereits  mehrfach ­
  darauf  hingewiesen,  daß  die  tägliche  Arbeitszeit  in  den
alten  mit  Stampfwerken  und  Keilpressen  arbeitenden  Ölmühlen
eine  sehr  ausgedehnte  war.  Arbeitszeiten  von  14—16  Stunden
waren  die  Regel,  doch  wurde  in  der  Kampagnezeit  häufig  auch
18,  ja  20  Stunden  gearbeitet.  Auch  heute  noch  ist  in  diesen
kleinen  Ölmühlen  die  Arbeitszeit  meistens  sehr  hoch.  Dieselbe
richtet  sich  nach  den  Wasser-  und  Windverhältnissen,  sowie
nach  der  Lage  der  Konjunktur  und  ist  infolgedessen  sehr
schwankend.  Durchschnittlich  dürfte  sie  jedoch,  wie  ich  durch
Befragen  mehrerer  kleiner  Ölmühlen  feststellte,  14  Stunden  täglich ­
  betragen.  Auch  in  den  Berichten  der  Gewerbeinspektoren
finden  sich  Klagen  über  zu  lange  Arbeitszeit;  so  heißt  es  z.  B,
in  einem  Berichte  aus  dem  Jahre  1890,  daß  die  Einrichtung  vieler
kleiner  Wind-  und  Wassermühlen  sehr  primitiv,  die  Schulung
der  Arbeiter  eine  mangelhafte  sei,  und  die  Arbeitszeit  12—15,
ja  mehrfach  auch  18  Stunden  betrage 13 ).
Auch  in  bezug  auf  die  Länge  der  täglichen  Arbeitszeit  hat
uns  die  Einführung  des  Fabrikbetriebes  und  dessen  Weiterbildung ­
  zum  Großbetrieb  Änderungen  gebracht.  Mit  der  Einführung ­
  der  neuen  Technik  gingen  die  meisten  Ölmühlen  zum  kontinuierlichen ­
  Tag-  und  Nachtbetrieb  über.  Der  Grund  hierfür
war  ein  doppelter:  Einerseits  war  man  nämlich  infolge  der  hohen
Anschaffungskosten  der  Maschinen  gezwungen,  auf  eine  möglichste ­
  Ausnützung  derselben  bedacht  zu  sein,  andererseits  brachte
der  ununterbrochene  Betrieb  aber  auch  Vorteile  für  die  Ölausbeute ­
  mit  sich.  Wir  haben  gesehen,  daß  die  Ölsaaten  zum  Zwecke
einer  größeren  Ölausbeute  erwärmt  werden.  Bei  der  Arbeit  erwärmen ­
  sich  nun  aber  auch  die  Pressen,  und  diese  Erwärmung
hat  nachgewiesenermaßen  eine  höhere  Ölausbeute  zur  Folge.
Wird  der  Betrieb  für  mehrere  Stunden  unterbrochen,  so  erkalten
die  Pressen,  und  die  Ölausbeute  ist  aus  diesem  Grunde  bei
Wiederbeginn  der  Arbeit  so  lange  eine  geringere,  bis  sich  die
Pressen  wieder  erwärmt  haben.  Ein  weiterer  Nachteil  einer
Unterbrechung  des  Betriebes  (allerdings  nur  bei  Dampfbetrieben)
liegt  darin,  daß  während  dieser  Unterbrechung  Dampf  unnütz

ls )  „Jahresberichte  der  preuß.  Gewerbeinspektoren".  1890,  S.  167.
            
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