190 HI. Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
Heute haben bereits einige gerade der größten deutschen
Ölfabriken seit mehreren Jahren in dem eigentlichen Ölmühlenbetriebe
(das ist im Pressensaal) ohne Herabsetzung der Löhne
die 8stündige Arbeitszeit eingeführt 15 ), und es ist dadurch, wie
z. B. in dem Berichte des Gewerberates für den Regierungsbezirk
Lüneburg vom Jahre 1907 mitgeteilt wird, keine Verminderung
der Arbeitsleistung der Arbeiter eingetreten.
Nach diesen allgemeineren Feststellungen über die Veränderungen
in der Dauer der täglichen Arbeitszeit, lasse ich
hier die Ergebnisse einer Aufnahme des Verbandes der Fabrikarbeiter
Deutschlands „über die Lohn- und Arbeitsbedingungen
seiner Mitglieder“ 16 ) aus dem Jahre 1909 folgen, so weit diese
sich auf die Arbeitszeit der in der .Öl- und Fettindustrie tätigen
Arbeiter und Arbeiterinnen beziehen. Kann diese Tabelle auch
keineswegs erschöpfende Aufklärung über die heute in der Ölmüllerei
vorkommenden Arbeitszeiten geben, — dazu ist die
Zahl der befragten Arbeiter und Arbeiterinnen bei den gerade
in der Ölmüllerei so verschiedenartigen Arbeitszeiten viel zu
gering (es wurden nur ca. 15 °/ 0 der Gesamtzahl der in den
Hauptbetrieben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen befragt
—, so zeigt sie uns doch zur Genüge, daß die Arbeitszeit
der Arbeiter in den größeren Ölfabriken, in welchen die Mitglieder
des Fabrikarbeiterverbandes wohl zumeist zu suchen
sind, bzw. auf welche sich wenigstens diese Aufnahmen zum
größten Teil erstreckt haben 17 ), keineswegs eine zu hohe genannt
werden kann, ergibt sich doch als durchschnittliche tägliche
Arbeitszeit bei Männern und Frauen ungefähr 9 3 / 4 Stunden.
Nach den Erhebungen, welche sich auf 1066 männliche und
10 weibliche Arbeiter erstreckten, belief sich die Arbeitszeit:
lb ) In diesen Fabriken wird dann in drei Schichten gearbeitet. Von
solchen Ölfabriken mit achtstündigen Wechselschichten nenne ich „Fr.Thörl’s
Vereinigte Harburger Ölfabriken", Harburg a. d. Elbe und „Harburger Ölwerke
Brinckman & Mergell", Harburg a. d. Elbe.
ie ) Hannover 1909, abgedruckt: „Seifenfabrikant", Jahrg. 1909, Seite
1261 bis 1263.
17 ) Die aus Hamburg, Bremen, Lübeck, Hannover und Schleswig-Holstein
entnommenen Angaben dürften sich wohl ausschließlich auf im
Großbetriebe tätige Arbeiter beziehen, da sich in diesen freien Städten
und Provinzen fast nur Großbetriebe der Ölmüllerei vorfinden. Die hier
befragten Personen machen aber bereits 77% der überhaupt befragten
Personen aus.