194 HI. Die Ausbildung des Fabrikbetriebes von 1870 bis zur Gegenwart.
Ein vorzügliches Bild von der Steigerung der Löhne geben
auch die folgenden Zahlen, welche mir von einer größeren
sächsischen Ölmühle zur Verfügung gestellt wurden. Es kamen
in dieser Fabrik an Löhnen im Durchschnitt auf jeden Vollarbeiter
1890 1143 M.
1900 1212 „
1910 1404 „
und zwar verdienten von den in der Ölmühle beschäftigten Per
sonen über 4 M. täglich
1890 20,8%
1900 63,6%
1910 75%
Seit 1890 haben also in dieser Fabrik die Durchschnittslöhne um
261 M. oder 22,8 % zugenommen.
Allgemein zahlen, soweit festzustellen, die großen Ölfabriken
die höchsten Löhne. Es ist dies eine Folge der höheren Pro
duktivität dieser Betriebe. Da nämlich in den Großbetrieben ver
möge der technischen Vollkommenheit auf jeden Arbeiter eine
bedeutend größere Menge an verarbeitetem Rohmaterial kommt
als in einem Kleinbetriebe (im ersten Kapitel dieses Abschnittes
habe ich dies näher nachgewiesen), sind in den Großbetrieben
trotz höherer Löhne die auf jede verarbeitete Tonne Rohmate
rial entfallenden Lohnbeträge geringer als in den kleineren Be
trieben. Zur Illustration dieser Tatsache seien die folgenden
Zahlen angeführt, welche von mir durch Erkundigungen fest
gestellt wurden:
1. in einer kleinen Wasserölmühle mit Ölgang und Ramm
presse und einer täglichen Verarbeitung von ca. 150 kg
Saat kommen an Löhnen aut jede verarbeiteten 1000 kg
Rohmaterial rund 17 M. DerTagelohn der an den Pressen
beschäftigten Arbeiter beträgt bei 14 Stunden Arbeitzeit
• 2,50 M.;
2. in einer mittleren Wasserölmühle mit hydraulischen Pres
sen und einer täglichen Leistung von 2500 kg Rohmate
rial kommen an Löhnen auf jede verarbeiteten 1000 kg
Saat ca. 9 M. Der Tagelohn der an den Pressen beschäf-