Full text : Die deutsche Ölmüllerei

192  III.  Die  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  von  1870  bis  zur  Gegenwart.

da  die  Fälle,  in  denen  keine  Frühstücks-  und  Mittagspause  stattfindet, ­
  zum  größten  Teil  bei  Sstündiger  Arbeitszeit  zu  suchen
sein  dürften 18 ).
An  letzter  Stelle  muß  ich  nun  noch  die  Frage  behandeln,
welche  Löhne  in  der  Ölindustrie  gezahlt  werden.  Leider  gibt  es
für  die  Beantwortung  dieser  Frage  nur  ein  äußerst  geringes
Material,  da  die  Fabrikanten  nur  ungern  Auskunft  über  die  gezahlten ­
  Löhne  geben,  andere  Quellen  aber  nur  in  geringem  Maße
zur  Verfügung  stehen.
Was  zuerst  die  Lohnformen  angeht,  so  findet  sich  heute
fast  überall  Zeit-  oder  Akkordlohn.  Die  Anwendung  dieser
Lohnsysteme  im  einzelnen  richtet  sich  nach  den  örtlichen  Verhältnissen, ­
  und  zwar  findet  sich  meistens  in  Gegenden  mit  allgemein ­
  hohen  Löhnen  Akkordlohn,  in  solchen  mit  niedrigeren
Löhnen  Zeitlohn.  Die  Entlohnung  von  Arbeitergruppen  an  einen
einzelnen,  wie  solche  vor  ca.  30  Jahren  in  einigen  Gegenden
üblich  war,  ist  heute  vollständig  verschwunden,  da  die  Berufsgenossenschaft ­
  die  Aufgabe  des  Arbeitslohnes  von  jedem  einzelnen ­
  Arbeiter  verlangt.
Wegen  der  Mangelhaftigkeit  des  vorliegenden  Materials
muß  ich  auf  eine  eingehende  und  umfassende  statistische  Darstellung ­
  der  Veränderungen  im  Arbeitsverdienste  der  in  der
Ölmüllerei  beschäftigten  Personen,  wie  diese  sich  im  Laufe  des
vergangenen  Jahrhunderts  vollzogen  haben,  verzichten.  Einzelne
Ziffern  über  die  Lohnhöhe  von  in  den  Ölmühlen  tätigen  Personen ­
  aus  verschiedenen  Jahren  anzuführen,  hat  aber,  auch  wenn
mir  solche  zur  Verfügung  gestanden  hätten,  keinen  Wert,  da
sich  ihre  Beurteilung  wegen  der  dabei  zu  berücksichtigenden
Umstände  (Kaufkraft  des  Geldes,  Lohn  in  den  Städten  und  auf
dem  Lande  usw.)  äußerst  schwierig  gestalten  würde  und  derartige ­
  Untersuchungen  den  Rahmen  meiner  Abhandlung  überschreiten ­
  würden.
Die  Möglichkeit,  daß  eine  Steigerung  der  Löhne  innerhalb
der  letzten  13  Jahre  erfolgt  ist,  erhellt  aus  der  folgenden  Zu-18

 )  Achtstündige  Arbeitszeit  ist  heute,  wie  an  anderer  Stelle  ausgegeführt,
  in  mehreren  Fabriken  für  die  an  den  Pressen  beschäftigten  Arbeiter
eingeführt.  Da  diese  Beschäftigung  es  mit  sich  bringt,  daß  alle  halben
Stunden  5  bis  10  Minuten  Arbeitspause  stattfindet,  erscheint  es  bei  der
an  sich  geringen  Arbeitszeit  überflüssig,  noch  besondere  Vesperpausen
festzusetzen.
            
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