Full text : Die deutsche Ölmüllerei

3.  Die  Produktionsverhältnisse  in  der  Ölmüllerei  um  1800.  37

Arten  von  Pressen  äußere,  ist  es  nötig,  noch  einige  Worte  über
die  Verpackung  des  Samenmehls  zu  sagen.
Diese  geschah  entweder  in  viereckigen  Tüchern,  deren  Zipfel ­
  wie  die  Klappen  eines  Briefumschlages  zusammengelegt  wurden, ­
  oder  in  aus  Wolle  oder  Pferdehaaren  hergestellten  Beuteln,
welche  mit  einem  Gurte  umwunden  wurden.  Häufigen  Anlaß  zu
Klagen  gab  nun  der  Umstand,  daß  die  Ölmüller  vielfach  schlechte
und  lose  Tücher  bzw.  Beutel  zum  Verpacken  der  Samen  verwendeten, ­
  so  daß  dann  beim  Auspressen  alle  möglichen  Verunreinigungen ­
  mit  durch  das  Gewebe  gingen,  und  man  infolgedessen ­
  zwar  mehr  aber  dafür  schlechteres  Öl  erhielt  als  bei  Gebrauch ­
  von  guten  Tüchern  und  Beuteln.
Was  War  die  Veranlassung  zu  einer  derartigen  freiwilligen
Verschlechterung  der  Produktionsweise  durch  die  Ölmüller?
Einzig  und  allein  die  Lohnmüllerei,  denn  hier  haben  die  Ölmüller ­
  ein  Interesse  daran,  möglichst  viel,  wenn  auch  schlechtes
Öl  zu  erhalten.  Ließ  der  Bauer  nämlich  seinen  Samen  gegen
Schlaglohn  auspressen,  so  erhielt  er  in  den  Wasser-  und  Windölmühlen ­
  meistens  für  eine  bestimmte  Menge  Ölsamen  ein  bestimmtes ­
  Quantum  Öl,  bei  Halle  z.  B.  auf  9  Scheffel  Rübsamen
eine  Tonne  Öl.  Brauchte  der  Ölmüller,  um  dieses  Quantum  Öl
herzustellen,  nicht  allen  eingelieferten  Samen,  so  gehörte  der
Rest  ihm  zur  freien  Verfügung,  was  lag  also  dem  Ölmüller,  wenn
er  nicht  ein  durchaus  ehrlicher  Mann  war,  näher,  als  möglichst
viel,  wenn  auch  schlechtes  Öl  zu  erzielen.  Die  Versuchung  hierzu
war  um  so  größer  als  es,  wie  bereits  früher  erwähnt,  an  der  gehörigen ­
  Konkurrenz  mangelte,  die  Bauern  vielmehr  zur  Auspressung ­
  ihrer  Ölsaat  auf  eine  oder  einige  wenige  Ölmühlen  angewiesen ­
  waren.
Vergleicht  man  die  Ramm-  und  die  Schlägelpresse  in  bezug
auf  ihre  Zweckmäßigkeit,  so  muß  man  der  Rammpresse  den  Vorzug ­
  geben,  denn  sie  arbeitete  besser  und  lieferte  mehr  Ölausbeute ­
  als  die  Schlägelpresse 17 ).  Hinzu  kommt  noch,  daß  die
Schlägelpresse  infolge  der  Vielheit  der  Übertragung  der  Bewegung, ­
  welche  zum  Betriebe  des  Schlägels  nötig  War,  bedeutend
kraftverschwenderischer  arbeitete  als  die  Rammpresse  und  auch
noch  viel  mehr  Lärm  verursachte  als  letztere.

17 )  Es  ist  leider  nicht  möglich,  dies  zahlenmäßig  zu  beweisen,  da
sich  in  der  spärlichen  Literatur  der  damaligen  Zeit  hierüber  keine  näheren
Angaben  finden.
            
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