38 I- Die Lage derÖlmüllerei in Preußen vor Einführung derOewerbefreiheit.
Einen wichtigen Punkt bildeten auch hier wieder natürlich
die Anschaffungskosten. Wenn nun auch diese bei der Ramm
presse etwas höher gewesen sein sollen als bei der Schlägel
presse 18 ), so darf man doch nicht vergessen, daß bei Errichtung
einer Rammpresse dadurch indirekt Kosten erspart wurden, daß
man diese in einer Linie und im gleichen Grubenstock mit den
Stampfern anlegen konnte, wodurch man verglichen mit der Er
richtung einer Schlägelpresse bedeutend an Raum und Geld
sparte, denn diese brauchte stets einen eigenen Grubenstock und
infolgedessen sowie der seitlichen Bewegung des Schlägels eine
weitläufigere und damit auch teurere Transmission, sowie ein
größeres Gebäude zur Aufstellung. Der einzige Nachteil der
Rammpresse gegenüber der Schlägelpresse bestand darin, daß
sie etwas mühsamer zu bedienen war als die letztere, ein Nach
teil, welchem man später durch sinnreiche Verbesserungen ab
zuhelfen suchte.
Die meisten Ölmühlen der damaligen Zeit waren nur im
Sommer und im Herbste in Betrieb, arbeiteten in dieser Zeit da
für aber häufig Tag und Nacht. Diese Einrichtung hatte ihren
Grund wohl hauptsächlich in der mangelhaften Technik; in der
Kälte gerinnt nämlich das Öl in den Samen und läuft dann schwer
von den Häuten und Hülsen des Ölteiges ab. In einigen Ölmühlen
suchte man diesem Übelstande dadurch zu begegnen, daß man
in der Nähe der Pressen große Öfen anlegte, welche den Zweck
hatten, das Öl in den Samen warm zu halten. Eine derartige
Einrichtung bestand z. B. in der Ölmühle in Niederochtenhausen,
im Amte Bremervörde, von der uns berichtet wird 19 ), daß sie
das ganze Jahr hindurch in Betrieb war und im strengsten Winter
ebensoviel Ölausbeute erzielte wie im Sommer.
Die vorherrschende Betriebsform war um 1800 der Allein
betrieb, und auch große Ölmühlen hatten selten mehr als drei
Arbeiter. Die tägliche Arbeitszeit schwankte in der Regel zwi
schen 12 und 18 Stunden, und die Arbeit selbst war keine leichte;
abgesehen von dem Lärm, der in den mit Stampfwerken arbei
tenden Ölmühlen herrschte und einen ungesunden Einfluß auf
das Befinden der Arbeiter ausüben mußte, war auch noch die
an den Pressen zu leistende Arbeit eine sehr anstrengende, da
»s) Scholl, 1. c. S. 102.
19 ) Beckmann, „Anleitung zur Technologie“. Güttingen 1802.