44 I. DieLage derÖImüllerei inPreußen vorEinführung derGewerbefreiheit.
Bestreben wird nämlich dahin gehen, durch möglichst vervoll-
kommnete Arbeitsmethoden, die Ausbeute an Öl pro Einheit zu
erhöhen, um auf diese Weise den hervorragenden Einfluß, wel
chen die Rohmaterialpreise auf die Rentabilität des Unter
nehmens ausüben, herabzumildern.
Damit komme ich zu der Bedeutung, welche die Rohmate
rialkosten für die Preisbildung bei den Erzeugnissen der Öl
müllerei haben. Diese ist natürlich bei dem hohen prozentualen
Anteil der Rohmaterialkosten an den Gesamtunkosten sehr groß.
Sonderbarerweise äußert sie sich zu der uns hier beschäftigen
den Zeit nur bei den Ölpreisen, da sich für die Ölkuchen ein für
allemal der feste Preis von 21/2 Tlr. pro Schock, d. s. 60 Stück,
eingebürgert hatte. Entsprechend den schwankenden Saatpreisen,
die, wie wir ja weiter oben gesehen haben, in ganz kurzer Zeit
um 100% stiegen oder fielen, differierten auch die Ölpreise ganz
bedeutend. Bei Raps- und Rüböl schwankten sie im allgemeinen
zwischen 12 und 22 Rtlr. pro Tonne von 220 Pfund, doch wer
den uns auch Preise von fast 37 Tlr. berichtet. Die Leinölpreise
differierten in ähnlicherWeise, waren jedoch trotz der niedrigeren
Saatpreise gewöhnlich etwas höher als die Rübölpreise, weil der
Ölgehalt der Leinsaat geringer als der der Raps- und Rübsaat ist.
Diese schnell wechselnden Preise bilden natürlich einen
großen Anreiz zur Spekulation und sind, wie wir im weiteren
Verlaufe dieser Arbeit noch sehen werden, von bedeutendem
Einfluß auf die Konzentration in der Ölmüllerei gewesen, die sich
im vergangenen Jahrhundert vollzogen hat und noch jetzt weiter
vollzieht. Um 1800 herum konnte allerdings diese Erscheinung
noch nicht augenfällig zutage treten, da es sowohl an der nötigen
Kapitalkraft der Ölmüller wie auch an dem Massenabsatz der
Öle — das vorherrschende Betriebssystem war das Lohnwerk
— fehlte; immerhin wurde schon von einem Schriftsteller der
damaligen Zeit auf diesen Punkt hingewiesen, indem er den Be
sitzern von Ölmühlen anriet „zu einer Zeit, wo die Wispel Rüb
saat 24 Rtlr. koste, möglichst viel Samen auf Vorrat zu kaufen, da
der Preis der Samen, falls die nächste Ernte schlecht sei, bald
steigen könne, und der Ölmüller auf diese Weise in kurzer Zeit
einige tausend Taler verdienen könne“ 26 ).
28 ) Krünitz, 1. c. Teil 76, 1803. S. 395.