Full text: Die deutsche Ölmüllerei

56 H. Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870. 
Ich habe bereits gegen Schluß des vorigen Abschnittes 
(S. 43/44) darauf hingewiesen, daß man bei Versuchen die Tech 
nik in der Ölmüllerei zu verbessern in erster Linie bemüht sein 
würde, die Ölausbeute pro Einheit des verarbeiteten Rohmate 
rials zu vermehren. Dieses Bestreben führte zur Einführung 
einer Maschine in die Ölmüllerei, welche von einschneidender 
Bedeutung für die Weiterentwicklung dieses Gewerbes gewor 
den ist, nämlich der hydraulischen Presse 1 ). 
Die Einrichtung der hydraulischen Presse beruht einerseits 
auf der Eigenschaft der tropfbar flüssigen Körper, sich nur höchst 
wenig zusammendrücken zu lassen, andererseits darauf, daß sich 
der auf diese Flüssigkeiten in verschlossenen Gefäßen ausgeübte 
Druck nach allen Richtungen und in gleicher Stärke fortpflanzt, 
so daß also auch die Wände des Gefäßes den gleichen Druck 
erleiden. Bereits der berühmte Franzose Pascal hatte dieses 
Prinzip der gleichen Druckfortpflanzung durch Flüssigkeiten, 
welche nicht ausweichen können, erkannt und 1652 zur Verviel 
fältigung einer gegebenen Kraft benutzt, doch blieben seine Ver 
suche mehr oder weniger physikalische Spielereien, und erst dem 
Engländer Bramah gelang es 1795 eine in der Praxis brauchbare 
hydraulische Presse zu konstruieren, welche vielfach verändert 
und verbessert im Laufe der Jahre eine überaus große Verbrei 
tung in den verschiedensten Industriezweigen gewonnen hat. 
Die von Bramah konstruierten hydraulischen Pressen dien 
ten 1 2 ) anfänglich vorzugsweise zum Ersatz der Schraubenpresse 
in Manufakturen und Fabriken für Papier, Schießpulver, Tabak 
usw., ferner zum Heben von Lasten, als Packpresse, sowie zum 
Betriebe von Holzhobel- und Metallbohrmaschinen, zur Prüfung 
der Festigkeit eiserner Ketten, zum Ausziehen eingerammter 
Pfähle usw. Erst mehrere Jahre später ging man dazu über, die 
hydraulischen Pressen zum Ölauspressen zu benutzen, was wohl 
damit zusammenhing, daß an eine Ölpresse noch einige beson 
dere Anforderungen gestellt werden. Diese Anforderungen lassen 
sich dahin zusammenfassen, daß 
1. die Presse bis zu dem Zeitpunkte, wo öl aus dem Preß 
gut auszufließen beginnt, schnell unter Druck gehen muß; 
1 ) Die folgenden Erläuterungen technischer Art haben zur Grundlage 
die Ausführungen über hydraulische Pressen bei Hefter, Ubbelohde, 
Rühlmann, Bolley, Scholl und Bornemann. 
2 ) Gilberts „Annalen der Physik“. 1819. Bd. 60, S. 1.
	        
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