Full text : Die deutsche Ölmüllerei

60  II.  Die  Entstehung  und  Ausbildung  des  Fabrikbetriebes  bis  1870.

Die  tägliche  Leistungsfähigkeit  einer  Presse  in  bezug  auf
verarbeitete  Saatmengen  ist  abhängig  einerseits  von  der  Menge
des  bei  jeder  Pressung  verarbeiteten  Samens  (der  Größe  der
jedesmaligen  Charge),  andererseits  von  der  Zeitdauer,  welche
bei  jeder  Pressung  erforderlich  ist,  um  das  Öl  auszubringen.
Über  die  Größe  der  jedesmaligen  Charge  der  hydraulischen
Pressen  lassen  sich  nur  schwer  Zahlen  anführen,  da  dieselbe
äußerst  verschieden  war;  jedenfalls  übertraf  sie  aber  die  der
Keilpresse  bedeutend,  konnte  man  doch  bei  der  hydraulischen
Presse  den  Unterschied  des  Raumes,  welchen  die  Presse  in
ihrem  Preßort  vor  und  nach  der  Anspannung  gewährte,  nach
Belieben  einrichten  und  dadurch  auch  die  jedesmalig  verarbeitete ­
  Samenmenge  beliebig  groß  machen,  während  dies  bei  der
Keilpresse  nur  in  geringem  Maße  der  Fall  war.  Die  Dauer
einer  jeden  Pressung  richtete  sich  nach  der  Art  der  verarbeiteten ­
  Saat,  nach  der  Größe  der  Charge  und  der  Höhe  des  aufzuwendenden ­
  Preßdruckes;  bei  den  Keilpressen  betrug  sie  im
allgemeinen  einschließlich  Einsetzen  der  Samenpakete  und  Entleeren ­
  der  Presse  4—5  Minuten,  bei  den  hydraulischen  Pressen
7—15  Minuten.  Entsprechend  diesen  Unterschieden  in  der  Größe
der  bei  jeder  Pressung  verarbeiteten  Samenmenge  und  der  Zeitdauer ­
  jeder  Pressung  sind  auch  die  Angaben  über  die  Größe
der  in  24  Stunden  verarbeiteten  Samenmenge  äußerst  schwankende. ­
  Als  Grenzzahlen  fand  ich  bei  verbesserten  Keilpressen
mit  zwei  Preßorten  350  und  600  kg  (bei  zweimaliger  Pressung),
bei  hydraulischen  Pressen  dagegen  720  und  1050  kg  (ebenfalls
bei  zweimaliger  Pressung).  Ist  der  Spielraum  zwischen  größter
und  kleinster  Tagesleistung  bei  diesen  Zahlen  auch  außerordentlich ­
  groß,  so  lassen  dieselben  doch  immerhin  deutlich  erkennen,
daß  die  Produktivität  der  hydraulischen  Presse  bereits  damals
eine  bedeutend  größere  (um  ca.  100°/ 0 )  war  als  die  der  Keilpressen ­
  5 ).

1857,  S.  170.  Bolley,  „Das  Beleuchtungswesen“.  Braunschweig  1862.
Scholl,  I.  c.  Schreiber,  1.  c.
l )  Sonderbarerweise  wurde  dieser  Vorzug  der  hydraulischen  Pressen
nicht  allgemein  anerkannt.  So  behauptete  der  Ölmühlenbesitzer  Heins,
und  diese  Behauptung  ist  in  mehrere  Bücher  über  Ölmühlenbau  übergegangen, ­
  an  der  Hand  eines  ausführlichen  Vergleiches  zwischen  Rammpresse ­
  und  hydraulischer  Presse  (Mitteilungen  des  Gewerbevereins  für
das  Königreich  Hannover,  Jahrg.  1844,  S.  30.),  daß  die  hydraulische  Presse
            
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