62 H. Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870.
bung, welche die hydraulische Presse aufzuweisen hat (bei einer
hydraulischen Presse bis höchstens 20% Kraftverlust durch
Reibung, bei einer Rammkeilpresse mindestens 25%), zum
Teil daran, daß man bei der hydraulischen Presse den Druck
durch Veränderung der Querschnitte der Preß- und Pumpenkolben
beliebig ändern kann, während man dies bei der Keilpresse
nur durch Vergrößerung des Stampfergewichtes oder
größere Hubhöhe erreichen konnte, was natürlich vermehrten
Kraftaufwand zur Voraussetzung hatte.
Weit überlegen war die hydraulische Presse der Keilpresse
endlich auch noch in bezug auf Betriebssicherheit und Höhe
der Reparaturkosten. Da sich die benötigte Transmission bei
ihr äußerst einfach gestaltete und auch ein Bruch der Presse
infolge Anbringung automatisch wirkender Sicherheitsventile zu
den Seltenheiten gehörte, beschränkten sich die bei ihr vorkommenden
Reparaturen in der Hauptsache auf häufigeres Ersetzen
der Liderungen an den Kolben, was in kurzer Zeit geschehen
konnte. Anders bei den Keilpressen: das umständliche Räderwerk,
welches die drehende Bewegung in eine auf- und abgehende
Bewegung umänderte, erforderte häufige und langwierige
Reparaturen. Ferner veranlaßte die Erschütterung,
welche das Fallen des schweren Stampfers hervorrief, Reparaturen
an der Presse, der Transmission und den Gebäuden.
Endlich verursachte auch noch die Presse selbst durch häufigere
Erneuerung der Keile, Kissen und Scheiden sowie das Abrichten
derselben allerhand Kosten.
Gegenüber diesen mannigfachen Vorzügen hatte die hydraulische
Presse nur einen einzigen wesentlichen Nachteil, nämlich
ihren hohen Anschaffungspreis. Während sich die Kosten einer
doppelten Keilpresse mit eisernem Preßkasten nur auf ca. 700 M.,
ohne eisernen Preßkasten sogar nur auf 400 M. stellten, schwankten
die Kosten der hydraulischen Presse je nach deren Größe
und Ausführung zwischen 1200 und 6000 M. Auf die Folgen,
welche diese hohen Anschaffungskosten in bezug auf die Einführung
der hydraulischen Pressen in die Praxis hatten, komme
ich noch im nächsten Kapitel zu sprechen, hier habe ich mich
nur insofern mit diesen Kosten zu beschäftigen, als durch sie
die für Verzinsung und Amortisation aufzubringenden jährlichen
Beträge sich änderten. Da die Anschaffungskosten der
hydraulischen Pressen höhere als die der Keilpressen waren,