2. Die Änderungen in der Technik der Ölerzeugung. 61
Zu diesem Vorteile der größeren Tagesleistung trat als
weiterer noch bedeutsamerer Vorzug der hydraulischen Presse
die mit ihr erzielte größere Ölausbeute. Durch die bedeutende
Steigerung des Preßdrucks erhielt man nämlich mit den hydraulischen
Pressen gegenüber den Keilpressen eine Mehrausbeute
an Öl von 3—5%, was, abgesehen von dem höheren Ertrag
pro Einheit verarbeitete Saat, natürlich auch die Produktionskosten
pro Einheit hergestellten Fabrikates nicht unwesentlich
verringerte.
Aber die Einführung der hydraulischen Presse brachte auch
sonst noch Herabminderung der Produktionskosten. So stellte
sich namentlich der Kraftverbrauch pro Einheit verarbeiteter
Saat bei ihnen bedeutend niedriger als bei den Keilpressen 6 ).
Es lag dies zum Teil an den geringen Kraftverlusten durch Reibeim
Vorschläge in bezug auf verarbeitete Samentnenge von den Keilpressen
übertroffen würde. Er gibt in diesem Aufsatze an, daß in seiner
in Harburg a. d. Elbe belegenen Ölmühle Versuche über die Leistungen
dieser beiden Pressensysteme angestellt wurden, und daß dabei von 3 Keilpressen
im Vorschläge in 22 Arbeitsstunden zusammen 6229 kg Rapssaat
verarbeitet wurden, während 3 hydraulische Pressen bei einer Preßdauer
von nur 7 Minuten es nur auf zusammen 4200 kg brachten. Dieser Behauptung,
daß die hydraulischen Pressen beim Vorschläge in bezug auf
verarbeitete Saatmenge von den Keilpressen übertroffen würden, muß auf
Grund von Angaben anderer Schriftsteller widersprochen werden. So erfahren
wir bei Hartmann, daß beim Vorpressen jede Pressung 64 Pfund
Kuchen liefere, was einer Charge von ungefähr 50 kg entspricht; Scholl
gibt die Leistungen einer Vorpresse bei einer Preßdauer von 10—12 Minuten
auf jedesmal 55 kg an, und Schädler spricht von einer jedesmaligen Verarbeitung
von 50—60 kg. Ähnliche Angaben könnten noch mehr erbracht
werden. Entweder beruht demnach die Angabe Heins’ auf einem direkten
Irrtum, es würde nach seinen Angaben jede Charge nur 7,4 kg Samen betragen
haben, oder aber und das ist das Wahrscheinlichere, es waren seine
hydraulischen Pressen aus der ersten Zeit der Einführung der Pressen,
speziell als Nach pressen gedacht (wozu sie auch benutzt wurden) und
von besonders geringer Ladefähigkeit. Diese meine Meinung finde ich
noch durch Heins' eigene Angabe unterstützt, eine Nachpressung daure
nur 7 Minuten, was nur bei sehr geringer Beschickung denkbar ist, da
bei einer Nachpresse normaler Ladefähigkeit die Pressung 10—15 Minuten
in Anspruch nahm.
6 ) Zahlen über die Höhe des Kraftverbrauches lassen sich nicht anführen,
da derselbe sowohl bei den Keilpressen (je nach Gewicht des
Stampfers und Anzahl der Hube in der Minute) wie auch bei den hydrau-'
lischen Pressen (je nach Zahl und Einrichtung der Pumpen) vielfach verschieden
ist.