2. Die Änderungen in der Technik der Öierzeugung. 79
ehern das Lösungsmittel der Reihe nach eine Reihe von Extraktoren
durchläuft und sich auf diesem Wege systematisch mit
Öl anreichert, so daß es die Extraktionsbatterie vollkommen mit
Öl gesättigt verläßt 26 ).
Obwohl von vielen Fachleuten bald nach der Erfindung des
Deiss’schen und Seyffarth’schen Extraktionsverfahrens ein völliger
Umschwung in der Gewinnung der Öle in Aussicht gestellt
wurde, konnte die Extraktionsmethöde in der uns hier
beschäftigenden Zeitperiode keine größere Verbreitung finden,
das Preßverfahren blieb vielmehr auf der ganzen Linie siegreich.
Die Ursache hierfür lag einerseits in der Schwierigkeit,
Öl und Rückstände vollkommen von den Resten des Lösemittels
zu befreien, was schwere Verkäuflichkeit und niedrigere Preise,
als sie für die Erzeugnisse des Preßverfahrens gezahlt wurden,
zur Folge hatte, andererseits in dem großen Verlust an Lösemittel,
welcher die Produktionskosten sehr in die Höhe schraubte.
So sah sich z. B. die neugegründete „Chemische Ölfabrik in
Dessau“ bald gezwungen, den Betrieb wieder einzustellen, weil
er unrentabel war. Bornemann macht darüber folgende Angaben
* 27 ): „In 24 Tagen wurden 4082,4 Pfund rektifizierter
Schwefelkohlenstoff erzeugt, der 7571/2 Tlr. kostete. Ein Pfund
Schwefelkohlenstoff kostete somit (Anlagekapital nicht eingerechnet)
3 Sgr. 8,75 Pf. Die Kosten der Entfettung einer Wispel
Saat beliefen sich auf 130i/2Tlr„ wobei ein Verlust von 128 Pfund
Schwefelkohlenstoff stattfand. Die gewonnenen 900 Pfund Öl
kosteten somit 130i/2T!r. und einZentnerÖl kam auf M^Tlr. 28 )
zu stehen. Der Wert der Rückstände ließ sich nicht ermitteln,
da sich keine Abnehmer fanden. Das Verfahren war demnach
unrentabel.“
Ähnlich lagen die Verhältnisse trotz der vielen theoretischen
Vorzüge des Extraktionsverfahrens in den meisten anderen nach
dieser Methode arbeitenden Fabriken. Im weiteren Verlaufe
meiner Untersuchungen werde ich Gelegenheit haben, festzu2#
) Es würde an dieser Stelle zu weit führen, näher auf technische
Einzelheiten der verschiedenen Extraktionsverfahren einzugehen. Zu diesem
Zwecke sei auf Bornemann, „Die fetten Öle des Pflanzenreichs“ verwiesen,
der die Geschichte der Extraktion eingehend behandelt.
27 ) Bornemann, 1. c. Weimar 1889.
28 ) Der Marktpreis des Pressrüböles betrug pro Zentner nach einem
Durchschnitt 1860/70 39,78 Mk.