3. Der Einfluß der fortschreitenden Technik.
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lieh auch trotz der erhöhten Ölausbeute der Verbrauch an Roh
material zu. Wie bedeutend diese Zunahme war, ersehen wir
bei einem Vergleiche des Rohmaterialbedarfs der einzelnen Öl
mühlen früherer und jetziger Zeit. Wir haben im vorigen Ab
schnitte gesehen, daß die Roßölmühlen durchschnittlich ca. 200 kg
Saat täglich (in 12—18 Stunden) verarbeiteten, und daß der Be
darf großer Wassermühlen mit 8—10 Stampferpaaren sich auf
ca. 300—350 kg bei einer täglichen Arbeitszeit von 12 bis
16 Stunden belief. Aus der uns hier interessierenden Zeit wird
uns dagegen berichtet 6 ), daß die in Ölmühlen mit 2 hydrau
lischen Pressen in 12 Stunden verarbeitete Saatmenge un
gefähr 700—1000 kg betrug und in den großen Ölmühlen
mit 5—7 Pressen auf 3500—6000 kg anwuchs. Auch arbeiteten
diese Fabriken in der Kampagnezeit meistens Tag und Nacht,
so daß sich also der tägliche Bedarf noch verdoppelte. Bei einer
derartigen Leistungsfähigkeit der einzelnen Mühlen konnte na
türlich der Absatz nicht mehr auf den lokalen Markt beschränkt
bleiben, sondern er mußte sich weiter ausdehnen. Voraus
setzung hierfür, sowie für die Beschaffung der Rohmaterialien
waren aber neben einer günstigen Lage vor allem gute Trans
portmittel und -wege.
So haben wir also, um es noch einmal zusammenzufassen,
drei Vorbedingungen 7 ), welche erst erfüllt sein müssen, ehe
sich die hydraulische Presse und mit ihr der Fabrikbetrieb all
gemein durchsetzen können, nämlich die Kapitalkraft der Öl
müller muß bedeutend gestiegen sein, bzw. das Anlage suchende
Kapital muß für unser Gewerbe interessiert werden, die Dampf
maschine muß so verbessert und verbilligt sein, daß sie für die
Ölmühle rentabel wird, und endlich muß der Verkehr so vervoll
kommnet sein, daß die Ölfabriken sich bequem mit genügendem
Rohmaterial versorgen können und ihre mit modernen Maschinen
hergestellten billigeren und besseren Erzeugnisse auch auf größere
Entfernungen noch konkurrenzfähig bleiben.
6 ) Vgl. Scholl, I. c. und Rühlmann, „Allgemeine Maschinenlehre“.
Braunschweig 1865 und 1876. Bd. II, 1. und 2. Auflage.
7 ) Eine weitere Vorbedingung bildete natürlich das Vorhandensein
genügender Absatzmöglichkeiten. Diese waren aber, wie ich ja im ersten
Kapitel dieses Abschnittes ausgeführt habe, bereits vorhanden, auch Ge
legenheit zum Massenabsatz bot sich namentlich in den Industriegegenden
in genügendem Maße.