Q2 II. Die Entstehung und Ausbildung des Fabrikbetriebes bis 1870.
In seiner „geschichtlichen Darstellung des Han
dels, der Gewerbe und des Ackerbaues“ macht Gülich
1844 über die Ölfabrikation folgende Bemerkungen 18 ): „Die Öl
müllerei wurde früher meist nur als Nebenzweig der Mehlberei-
tung, selten für sich und in größerem Umfange, betrieben. Mit
dem Fortschreiten der Industrie und der durch die Erweiterung
der Tuchmanufaktur und anderer viel Öl gebrauchender Gewerbe
entstehenden größeren Konsumption dieses Artikels aber ver
mehrte sich die Produktion dieses Artikels gar sehr und wurde
mancher Orten zum fabrikmäßigen Betriebe, kam in größerer
Ausdehnung namentlich in mehreren Gegenden Preußens, nicht
nur in den östlichen Provinzen, sondern ganz vornehmlich im
Rheinland und Westfalen auf und wurde mehrfach mit nicht ge
ringen Fonds betrieben.“
Aus den Angaben der bisher angeführten Statistiker geht
zwar einerseits die mit der Einführung der hydraulischen Presse
verbundene Vergrößerung der Betriebe klar hervor, andererseits
kann man aus der Art ihrer Mitteilungen aber auch deutlich ent
nehmen, daß mit hydraulischen Pressen und Dampfbetrieb aus
gestattete Mühlen immer noch in verhältnismäßig geringer Zahl
vorhanden waren. Eine deutliche Veränderung in dieser Rich
tung zeigt das 1854 erschienene Buch Redens über die „Er-
werbs-undVerkehrsstatistik des Königstaats Preu
ßen“. In demselben heißt es über die Ölmüllerei Schlesiens 19 ):
„In dem ersten Viertel des Jahrhunderts war in Schlesien so
wohl der Rapsbau als auch die Erzeugung und der Bedarf von
Öl unbedeutend. Eigentliche Ölmühlen bestanden damals in der
Provinz nicht 20 ). Soviel bekannt ist, wurde gegen das Jahr 1827
die erste Rapsölmühle mit hydraulischen Pressen gebaut und be
finden sich gegenwärtig in der Provinz etwa 25 wirkliche Öl
mühlen mit 50 hydraulischen Pressen. Diese dürften im Jahre 1851
ca. 400000 Scheffel Raps (gleich 14800000 kg) verarbeitet und
daraus 100000 Zentner Öl im Werte von 1 Million Taler und
200000 Zentner Rapskuchen im Werte von 200000 Tlr. herge
i8) IV. Bd., 1844, S. 497.
1») Darmstadt 1853/54. I. Bd., S. 628ff.
zo ) Zwar geben die amtlichen Gewerbetabellen für Schlesien bereits
eine große Zahl von Ölmühlen an (1816 435 Stück), doch waren dies eben
fast ausschließlich nur Ölstampfen oder mit Mahlmühlen verbundene, Lohn
werk treibende Wassermühlen.