Full text : Die Kontrolle der Rechnungslegung (in der Privatwirtschaft)

4

primitiver  Form,  bei  den  Babyloniern,  Phöniziern,  Griechen  und
Römern.  Namentlich  bei  letztgenannten  Völkern,  bei  denen  der
staatliche  Organismus  am  weitesten  durchgebildet  war,  finden  wir
Verrechnungen  der  verschiedensten  Einnahmen  aus  Tributen,  Verpachtungen ­
  usw.
Das  größte  Interesse,  das  Verrechnungswesen  gründlich  durchzubilden, ­
  lag  natürlich  bei  den  Kaufleuten;  bei  den  „Argentarii"
treffen  wir  schon  Handelsbücher  an.
Von  dem  Zeitpunkte,  da  die  Verrechnung  der  besseren  Übersicht
halber  in  Büchern  vorgenommen  wird,  bezeichnet  man  sie  als  Buchführung ­
  oder  Buchhaltung  schlechthin.
Den  eigentlichen  Fortschritt  machte  die  Buchhaltung  erst  mit
der  Einführung  der  arabischen  Ziffern  um  1200;  es  entwickelte
sich  allmählich  die  sogen,  italienische  oder  doppelte  Buchführung,
die  auf  dem  Prinzip  der  mathematischen  Gleichung  beruht.
Ihre  erste  Darstellung  finden  wir  um  1494  in  der  Abhandlung
des  Mathematikers  und  Mönches  Luca  Pacioli:  Summa  äs  Arithmetica,
  Geometria,  Proportioni  et  Proportionalitä.  An  diesem
System  ist  —  abgesehen  von  der  nur  noch  in  Kommunalbetrieben
angewandten  kameralistischen  Verrechnungsweise  —  bis  heutigentags ­
  festgehalten  worden.  Wohl  werden  täglich  neue  Systeme
erklügelt,  sie  stellen  aber  alle  nichts  weiter  dar  als  eine  Modifikation ­
  der  Anwendung  des  Prinzips  der  doppelten  Buchführung.
Es  kann  in  dieser  Arbeit  nicht  meine  Aufgabe  sein,  die  Technik
der  doppelten  Buchführung^  darzulegen,  sondern  es  genügt  hier,
wenn  ich  die  Tatsache  feststelle,  daß  die  doppelte  Buchhaltung
die  Fähigkeiten  in  sich  birgt,  alle  wirtschaftlichen  Vorgänge  in
einer  Unternehmung  so  zur  Verrechnung  und  Darstellung  zu
bringen,  daß  der  Unternehmer  in  den  Stand  gesetzt  wird,  die
Lage  und  Entwicklung  seines  Vermögens  in  allen  Einzelheiten
zu  übersehen  und  an  Hand  des  gewonnenen  Bildes  weiter  zu
disponieren.
Wie  der  Feuermann  vor  dem  Dampfkessel  auf  den  Manometer ­
  und  das  Wasserstandsglas  blickt  und  gleichsam  abliest,  wieviel ­
  Kräfte  ihm  zur  Verfügung  stehen,  gleichzeitig  aber  auch  die
Bedürfnisse  des  Kessels  erkennt  —  ob  er  Kohlen  auswerfen  oder
Wasser  zuführen  muß  —,  so  wird  der  Unternehmer  auf  Grund
seiner  Buchführung  erkennen,  was  sein  Unternehmen  leisten  kann
und  welcher  Maßnahmen  es  zum  erfolgreichen  Fortbestehen
bedarf.

y  Die  gesamte  Literatur  zum  Studium  der  Buchhaltung  auch  nur  in  Auswahl ­
  auszuführen,  würde  zu  weit  gehen;  ich  erinnere  hier  an  die  allerbekanntesten
Arbeiten  von  Stern,  Adler,  Fischer,  Nehm,  Passow,  Reisch  und  Kreidig  u.  a.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.