Full text: Die Lage der Landwirtschaft in Ostpreussen

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nach Angaben des Forstamtes der Landwirtschaftskammer in sämtlichen Fidei- 
kommißforsten (für die anderen Forsten liegen keine Angaben vor) Nutzungen 
über den Betriebsplan hinaus stattgefunden. Die Überhiebe überschreiten bis zu 
30 % das zulässige Maß. Hinzu kommen noch die besonders genehmigten Über- 
hiebe, die seit 1922 226 000 fm auf einer Fideikommißfläche von 40000 ha aus 
machen. Dieser Satz ist der Betrag, der über den als regulär bezeichneten Mehr 
einschlag von 30.% noch hinausgeht. 
Die Häufung der Devastierungen, die in allen Betriebsgrößen und in allen 
Teilen der Provinz, besonders aber in den Krisengebieten, anzutreffen sind, haben 
bisher auch viele Gläubiger abgehalten, im Wege der Zwangsvollstreckung eine 
Befriedigung ihrer Ansprüche zu suchen, denn wenn derartig devastierte Betriebe 
zur Zwangsversteigerung gelangen, so sind vor allem die an späterer Stelle im 
Grundbuch gesicherten Darlehen uneinbringlich. Daher „halten die Gläubiger 
still“ in der Hoffnung, daß den wirtschaftlich unhaltbaren Zuständen endlich 
durch die erwarteten Hilfsmaßnahmen des Reiches und Preußens ein Ende 
gemacht “werden würde. - Dazu kommt, daß die zahlreichen genossenschaft- 
lichen Verflechtungen und “Verbindungen durch Bürgschaftsübernahme oder 
Wechselgirierung zwischen‘ .überschuldeten und noch sanierbaren Betrieben 
die Gläubiger ‚von einem zu. scharfen. Vorgehen abhalten, da sie sonst be- 
fürchten müssen, daß das. gesamte Kreditgebäude in Ostpreußen ins Wanken 
gerät. Die Preußenkasse hat daher recht, wenn sie von einer schleichenden 
Krise redet und auf die Gefahren aufmerksam macht, die der gesamten 0ost- 
preußischen Wirtschaft durch den offenen Ausbruch der Krise drohen. Die 
Statistik der Zwangsversteigerüngen zeigt aber, welch bedrohlichen Umfang der 
Zusammenbruch zahlreicher landwirtschaftlicher Betriebe trotzdem schon an- 
genommen hat. (Vgl. die Übersicht: Zwangsversteigerungen ländlicher Grund- 
stücke in der Provinz Ostpreußen 1924 bis 1928, verglichen mit dem Frei- 
staat Preußen, Anlage V.) Der prozentuale Anteil Ostpreußens an allen im 
Freistaat Preußen versteigerten Grundstücken wächst zusehends. Es steht zu 
befürchten, daß dieser Anteil im Jahre 1928 sich noch über den Stand von 1927 
erhöht hat, daß vor allem angesichts der im Kreise Oletzko schon zum offenen 
Ausbruch gekommenen Krise auch der Anteil der bäuerlichen Betriebe größer sein 
wird als in den vorhergehenden Jahren. So ist es kein Wunder, wenn die Preise 
für landwirtschaftliche Grundstücke in Ostpreußen sinken. Es wurden in Ost- 
preußen nach den Feststellungen des Landesfinanzamte für einen Morgen durch- 
schnittlich gezahlt: 
1910/12 . 
1924. . 
1925 . . 
1926. . 2. 
1927. . 0.0. 
1998 
308 M 
269 RM 
243 
247 
264 
253 
In diesen Zahlen kommt nach Mitteilung der vom Unterausschuß in Königsberg 
gehörten Sachverständigen‘ nicht zum Ausdruck, daß in den Jahren nach der 
Inflation die oben erwähnten Preise für Böden minderer Güte gezahlt wurden, 
während seit 1927 nur die guten Bodenarten diese gedrückten Preise erzielen: 
Je mehr aber die Preise sinken, desto mehr werden auch die erststelligen Real- 
kredite gefährdet, und es wird dann damit gerechnet werden müssen, daß vor 
allem die außerhalb der Provinz domizilierenden erststelligen Hynotheken- 
Enauete-Ausschuß. II. Band 8.
	        
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