Full text: Die Entwicklung der deutschen Stahlindustrie mit besonderer Berücksichtigung der Martinstahlerzeugung und der Bedeutung des Schrottes für dieselbe

39 
man anfänglich den Martinofen nur dazu, die im eigenen 
Betriebe entstehenden Abfallstücke von Eisen und Stahl 
wieder umzuschmelzen. Doch nicht alle Werke bauten 
Martinöfen, sondern verkauften ihren Schrott zu billigen 
Preisen an die Nachbarwerke. So entstand denn aus dem 
Notbehelf allmählich das selbständige Verfahren. Die Be 
dingungen zur weiteren Ausbreitung des Martinverfahrens 
waren nun gerade für die niederrheinisch-westfälische 
Eisenindustrie die denkbar günstigsten. Denn der Martin 
stahl ist dort am billigsten herzustellen, wo die billigste 
Kohle und der meiste und billigste Schrott vorhanden ist. 
Diese Rohstoffe weist Niederrheinland und Westfalen in 
einzigen Verhältnissen auf. Seine Eisenwerke liegen un 
mittelbar auf der besten deutschen Kohle, zumeist sogar 
auf eigener Kohle. Die Menge des Hüttenschrottes be 
stimmt sich nach der Ausdehnung der Herstellung von 
Fertigerzeugnissen in den Stahl- und Walzwerken, und 
letztere sind in sehr großer Menge vorhanden. Die Größe 
der gewerblichen Altschrottmassen richtet sich nach dem 
Alter, der Anzahl und der Größe gewerblicher Betriebe, 
welche Fabrikhallen, Maschinen und sonstige eiserne Vor 
richtungen benutzen. Die Größe der Eisenbahnschrott 
massen bestimmt sich nach der Ausdehnung, der Dichtig 
keit und der Benutzung des Eisenbahnnetzes. Die Menge 
des Haus- und Bauschrottes und Kleinschrottes endlich 
bestimmt sich in erster Linie nach der Dichtigkeit der 
städtischen Bevölkerung. 
Das ganze Niederrheinisch-westfälische Industrie 
gebiet ist von Fabriken übersät. Eine blühende Kohlen 
industrie, Maschinenindustrie, Textilindustrie, chemische 
Industrie, Holzindustrie, Lederindustrie ist vorhanden. 
Auch ist es von dem dichtesten Eisenbahnnetze bedeckt. 
Zahlreiche große Verkehrsstrecken mit unzähligen Gleisen 
und Nebenlinien liegen dort nebeneinander. Infolgedessen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.