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Siebter Abschnitt.
Mit dem Dogma, das gesellschaftliche Kapital sel in jedem ge-
gebenen Zeitpunkt eine fixe Größe, werden die gewöhnlichsten Er-
scheinungen des Produktionsprozesses, wie zum Beispiel dessen
plötzlichen Ausdehnungen und Zusammenziehungen, ja sogar die
Akkumulation, völlig unbegreifbar.®%® Das Dogma wurde sowohl von
Bentham selbst wie von Malthus, James Mill, MacCulloch usw. zu
apologetischen Zwecken vernutzt, namentlich um einen Teil des
Kapitals, das variable oder in Arbeitskraft umsetzbare Kapital als
eine fixe Größe darzustellen. Die stoffliche Existenz des variablen
Kapitals, das heißt die Masse der Lebensmittel, die es für den Ar-
beiter repräsentiert, oder der sogenannte Arbeitsfonds, wurde
sinen durch Naturketten abgegrenzten und unüberschreitbaren Son”
Jderteil des gesellschaftlichen Reichtums verfabelt.
Um den Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der als konstantes
Kapital oder, stofflich ausgedrückt, als Produktionsmittel funktio-
nieren soll, in Bewegung zu setzen, ist eine bestimmte Mass®
lebendiger Arbeit erheischt. Diese ist technologisch gegeben. Aber
weder ist die Anzahl der Arbeiter gegeben, erheischt um diese Ar
beitsmasse flüssig zu machen, denn das wechselt mit dem Aus
hunderts geistreich gesagt hatten. Wenn man zum Beispiel wissen will, w#
ist einem Hunde nützlich?, so muß man die Hundenatur ergründen. Dies
Natur selbst ist nicht aus dem „Nützlichkeitsprinzip‘“ zu konstruieren. AM
den Menschen angewandt, wenn man alle menschlichen Taten, Bewegungel
Verhältnisse usw. nach dem Nützlichkeitsprinzip beurteilen will, handelt ®
sich erst um die menschliche Natur im allgemeinen und dann um die in jede
Epoche historisch modifizierte Menschennatur. Bentham macht kein Feder”
lesens. Mit der naivsten Trockenheit unterstellt er den modernen Spie®
bürger, speziell den englischen Spießbürger, als den Normalmenschen. we
liesem Kauz von Normalmensch und seiner Welt nützlich, ist an und für
3ich nützlich. An diesem Maßstab beurteilt er dann Vergangenheit, Gegot
wart und Zukunft. Zum Beispiel die christliche Religion ist „nützlich“, wel
sie dieselben Missetaten religiös verpönt, die der Strafkodex juristisch vn
dammt. Kunstkritik ist „schädlich“, weil sie ehrbare Leute in ihrem Gen“
an Martin Tupper stört usw. Mit solchem Schund hat der brave Man
dessen Devise: „nulla dies sine linea“ [kein Tag ohne einen Strich], B
von Büchern gefüllt. Wenn ich die Courage meines Freundes H. Heine hätt%
würde ich Herrn Jeremias ein Genie in der bürgerlichen Dummheit nenn?
%5 „Politische Oekonomen sind zu geneigt, eine bestimmte Quantität vo R
Kapital und eine bestimmte Anzahl Arbeiter als Produktionsinstrumente x
gleichförmiger Kraft und als mit einer gewissen gleichförmigen Intensität w} ä
kend zu behandeln.... Diejenigen, die behaupten, daß Waren die einzig®
wirkenden Mittel (agents) der Produktion sind, beweisen, daß die Produkte,
iberhaupt nicht erweitert werden kann, denn zu einer solchen Erweiterw
müßten Lebensmittel, Rohmaterialien und Werkzeuge vorher vermehrt Va
den, was in der Tat darauf hinaus kommt, daß kein Wachstum der Prod
tion ohne ihr vorheriges Wachstum stattfinden kann, oder, in andern Wor a‘
daß jedes Wachstum unmöglich ist.“ (S. Bailey: „Money and its Vieissitud@
p. 26, 70.) Bailey kritisiert das Dogma hauptsächlich vom Standpunkt
Zirkulationsprozesses,