Full text : Grundzüge des positiven Völkerrechts

1899—1914.

27

1912  Tripolis  und  die  Cyrenaika  an  Italien  brachte,  gezeigt,  daß
Italien  von  der  Entente  nicht  mehr  als  Gegner  angesehen  wurde.
Der  erste  und  zweite  Balkankrieg,  der  erste  geführt  vom  Balkanbund ­
  unter  russischer  Ägide,  das  heißt,  von  Montenegro,  Serbien  und
Bulgarien  gegen  die  Türkei  und  dann  der  zweite  zwischen  Bulgarien
mit  seinen  ehemaligen  Verbündeten,  denen  sich  Rumänien  zugesellte,
hatte  eher,  trotz  häufiger  Differenzen,  die  auf  der  Londoner  Konferenz ­
  tagenden  Großmächte  einander  näher  gebracht;  England  vertrat ­
  hier  im'wesentlichen  seinen  alten  Balkanstandpunkt,  gegen  den
Rußland  nicht  bewaffnet  anzutreten  wagte.  Der  Friede  von  London
am  30.  Mai  1913,  die  verschiedenen  Einzelfriedensschlüsse  der  Balkanstaaten ­
  mit  der  Türkei  und  der  Friede  von  Bukarest  zwischen  Bulgarien ­
  und  seinen  Gegnern  int  zweiten  Balkankrieg  brachten  im  wesentlichen ­
  die  Verdrängung  der  Türkei  aus  Europa,  daneben  eine  Verschärfung, ­
  des  bulgarisch-rumänischen  Gegensatzes  durch  die  Abtretung
bulgarischer  Gebietsteile  an  seinen  nördlichen  Nachbarn.  Die  Erbitterung ­
  Bulgariens  hierüber,  wie  über  die  Abtretungen  an  Griechenland ­
  und  Serbien  haben  seine  Parteinahme  für  Deutschland  und  seine
Verbündeten  im  Weltkrieg  psychologisch  erst  möglich  gemacht.  Der
Weltkrieg  selbst  ist  dann  im  Anschluß  an  die  Ermordung  des  österreichischen ­
  Thronfolgerpaares  in  Serajewo  am  28.  Juni  1914  und  die
daran  anschließende  Demarche  Österreich-Ungarns  in  Belgrad,  das
Eintreten  Rußlands  für  Serbien,  die  entschiedene  Parteinahme  Frankreichs ­
  für  Mßland  und  das  laue  Verhalten  Englands,  das  es  unterließ,
den  Kriegswillen  an  der  Sängerbrücke  und  am  Quai  d'Orsay  zu
bremsen,  zum  Ausbruch  gekommen.  Im  Verlauf  dieses  Krieges  haben
sich  dann  nach  und  nach  alle  Großmächte  und  ein  beträchtlicher  Teil
weiterer  Staaten  (insgesamt  27)  zum  Bunde  gegen  Deutschland,
Österreich-Ungarn  und  die  1914  bzw.  1915  an  seine  Seite  getretenen
Staaten  Türkei  und  Bulgarien  zusammengeschlossen,  von  ihnen  Italien
in  der  Hoffnung  auf  den  Erwerb  ihm  im  Londoner  Vertrag  vom
26.  April  1915  zugesicherter  umfassender  Gebietsvergrößerung,  die
Vereinigten  Staaten  von  Amerika  veranlaßt  teils  durch  wirtschaftliche, ­
  teils  durch  andere  Erwägungen,  die  mit  dem  Il-Bootkrieg  zusammen ­
  hingen.  Das  japanische  Vorgehen  mag  sich  nicht  zum  geringen ­
  Teil  durch  das  bedauerliche  Verhalten  Deutschlands  im  Jahre
1895  erklären,  das  damals  ohne  Grund  mitgeholfen  hatte,  Japan  der
Früchte  seines  Sieges  teilweise  zu  berauben.  Der  Weltkrieg  hat  trotz
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.