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Zwecke der Schöpfung, über die gchcimnißvolle Organisation
der übernatürlichen Welt so gut, wie nichts wissen. Wenn
man indeß das Ueberirdische nicht versteht oder begreift, so
ist das noch keineswegs ein Beweis für dessen Nichtvor-
handcnsein.
Doch dürfte das, was gegen eine materialistische Welt
anschauung bereits angeführt worden ist, genügen, uns von
ihrer Unrichtigkeit und Unwahrheit zu überzeugen; sie ist nichts
weniger als geeignet, den Glauben an ein Dasein Gottes und
an eine Unsterblichkeit unserer Seele zu erschüttern, geschweige
denn ihn zu vernichten. Und dieser Glaube wird in uns erst
recht zur festen Ueberzeugung erstarken, wenn wir uns mit
den dafür sprechenden Argumenten gehörig vertraut gemacht
haben, sie vorurtheilsfrei prüfen und nicht durch Zweifelsucht
ihr Eindringen in unser Inneres zu erschweren suchen.
10. Argumente für das Dasein Gottes.
Es bürste am Platze sein, diesen Argumenten und zwar zu
nächst denen für das Dasein Gottes naher zu treten.
1. Bei allen Völkern unserer Erde treffen wir den Glauben an
ein oder mehrere höhere über dem Menschen stehende Wesen
an; die größten Philosophen aller Zeiten sind für diesen
Glauben eingetreten und übereinstimmend zu der Ueberzeugung
gelangt, daß derselbe nicht Gegenstand der „aturwisscnschaft-
lichen Forschung sein, und eine solche auch nie zu einem be-
friedigcnden Resultate führen könne. Es muß also etwas im
Wesen des Menschen liegen, was diesen Glauben hervorbringt.
Allerdings können wir uns von Gott keine Vorstellung
schaffen, denn da müßten wir ihn gesehen und sprechen gehört
haben, gleichwohl bildet sich der denkende Mensch Gott als ein
Wesen mit menschlicher Gestalt, weil ihm diese als die voll-
kommenste erscheint. Und dies liegt so natürlich unb noth
wendig in der Entwickelung des menschlichen Wesens, wie es