482 Schiffahrtskanäle.
Dem Kurfürsten Friedrich III. verdankt die erste steinerne Schleuse der Saale ihre
Entstehung. Hölzerne Schleusen hat es in diesem Flußlaus schon seit dem Mittelalter, sicherlich
seit 1306 gegeben. Tie Bauart derselben blieb immer mangelhaft und wandelbar, weshalb
der genannte Kurfürst zur Hebung der Saaleschiffahrt bei Trotha eine steinerne Schleuse er
bauen ließ, deren Grundsteinlegung 1694 geschah. Bis 1698 wurden weitere 6 steinerne
Schleusen in der Saale erbaut. — Unter Friedrich II. von Preußen kam 1774 der Brom
berger Kanal zur Vollendung, durch welchen die Weichsel mit der Netze, Warthe und so
mit der Oder verbunden ist, und die Oder wurde mit der Havel durch den Finowkanal in
Verbindung gesetzt (1743—1746). Der Friedrichs- oder Plauesche Kanal, der die Wasser
fahrt zwischen Berlin und Magdeburg auf die Hälfte abkürzte, wurde 1743 gebaut.
In Bayern kam der angeblich schon von Karl dem Großen geplante Verbindungskanal
zwischen Main und Donau unter König Ludwig I. in den Jahren 1834—1848 zur Aus
führung. Diese den heutigen Verhältnissen nicht mehr Rechnung tragende Wasserstraße hat
eine Länge von 176 km und erstreckt sich von Kehlheim an der Mündung der Altmühl in
die Donau über Nürnberg nach Bamberg. Die Anlagekvsten betrugen über 16 Millionen
Gulden. Gegenwärtig Plant man einen Ersatz der sehr mangelhaften Kanalanlage.
483. Chinesische Nollbriiiirr. Nach einem chinesischen Originale.
In den Jahren 1844—1861 wurde in Preußen der Oberländische Kanal
zwischen Osterode und Elbing in der Provinz Ostpreußen geschaffen. Diese Schöpfung
erfreute sich einst infolge des hierbei zur Anwendung gekommenen Systems der geneigten
Ebene eines besonderen Rufes, der durch neuere Kanalbauten etwas verdunkelt worden
ist. Die Entwerfer des Plans waren der Oberbaurat Severin und der Baurat Steenke.
Der Kanal verbindet die oberländischen Seen untereinander und mit dem Drausensee
und dient der Ausfuhr von Teer, Kartoffeln, Roggen, Wolle, Spiritus, Flachs und
namentlich Holz. Die hier liegenden Forsten nehmen eine Fläche von 51000 lla ein.
Zwischen dem Drausensee und dem Pinnau- und Samrodtsee galt es eine Höhendifferenz
von 110 in zu überwinden. Zwischen Güldenboden bei Elbing und dem Pinnausee wurde
eine sogenannte „geneigte Ebene" angelegt, worauf näher einzugehen ist.
Ist nämlich das durch einen Kanal an einer Stelle zu überwindende Gefälle so
bedeutend, daß man auch mit Schleusen von der größten Stauhöhe, als welche zur Zeit
eine solche von 10 m bezeichnet werden muß, nicht zum Ziele kommt, so muß von anderen
Hilfsmitteln Gebrauch gemacht werden, als welche geneigte Ebenen (Schiffseisenbahnen)
und Hebewerke zu nennen sind.
Bereits im Altertume kamen verschiedene Anlagen zur Ausführung, um die Schiffe
über Landengen oder Landstrecken hinwegzuschaffen. Besondere Bedeutung besaß der