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„Ja," bestätigte Karl, „dieses Bedenken ist mir auch gekommen. Wir
sind davon abgekommen, zu untersuchen, wie die Arbeiter ins Elend ge
kommen sind, und haben dafür gelernt, wie der Profit der Kapitalisten
zustande kommt."
„Nun," erwiderte ich, „vielleicht war das gerade der notwendige Weg,
um zu jener Untersuchung zu kommen. Wir haben jetzt gesehen,'warum
die Kapitalisten immer mehr Maschinen anwenden, und wir haben auch
gesehen, wie das auf ihren Profit wirkt. Jetzt können wir uns der Frage
zuwenden, wie die Maschine auf die Lage des Arbeiters wirkt."
„Aber da hätten wir uns doch den langen Umweg ersparen können,"
warf Wilhelm ein. „Das hätten wir doch gleich untersuchen können. Was
die Kapitalisten von den Maschinen haben, das kann uns doch gleichgültig
sein. Wir sind doch keine Kapitalisten."
„Oho!" erwiderte ich. „So liegt die Sache doch nicht. Die Anwendung
von Maschinen kann die allerverschiedensten Wirkungen für die Arbeiter
haben, je nachdem, wem sie gehören, wer ihre Anwendung leitet. Stellt euch
vor, alle Maschinen gehörten den Arbeitern selbst, die für sich selbst mit ihnen
arbeiten. Da werden die Menschen um so weniger zu tun und .um so mehr zu
genießen haben, je mehr Maschinen da sind; wenn zum Beispiel die Schneider
früher zehn Stunden arbeiten mußten, um mit der bloßen Hand Kleider
für alle herzustellen, so werden sie nach Einführung der Nähmaschine viel
leicht nur fünf Stunden zu arbeiten brauchen, und dabei werden noch alle
mehr und bessere Kleider haben."
„Ja, aber in Wirklichkeit," warf Wilhelm ein, „stimmt das doch gar
nicht. Je mehr Maschinen eingeführt werden, desto schlechter geht es meistens
den Arbeitern."
„Das ist eben," erwiderte Karl, „weil die Maschinen nicht den Arbeitern
gehören, sondern den Kapitalisten."
„Nun seht ihr," ergänzte ich, „daß es eben gar nicht gleichgültig ist,
wem die Maschinen gehören und welchem Zwecke sie dienen. Heute hat die
ganze Produktion in erster Linie nicht den Zweck, die Bedürfnisse der Masse
zu befriedigen, sondern den Profit der Kapitalisten zu erhöhen. Man muß
also erst studieren, wie der Prosit beschaffen ist und was ihn erhöht, damit
man untersuchen kann, wie die Maschine auf den Arbeiter wirkt. Wir haben
also gesehen,, daß es den Kapitalisten darauf ankommen muß: 1. möglichst
viel Wert zu erzeugen, also möglichst lange Arbeitszeit und Ausnutzung der
Arbeitsmittel: 2. von diesem neu erzeugten Wert möglichst viel für sich selbst
zu behalten und möglichst wenig herzugeben, daher vor allem Herabdrückung
der Löhne; 3. dem kapitalistischen Konkurrenten den Vorsprung abzu
gewinnen, billiger zu produzieren als er, daher steigende Verwendung von
Maschinerie und wieder Herabdrückung der Löhne; 4. nach Möglichkeit an
Betriebskosten zu sparen, damit sich der Profit auf ein möglichst kleines
Kapital verteilen muß, daher billiger Einkauf von Rohmaterial u. s. to., vor
allem jedoch abermals Herabdrückung der Löhne."
„Aber das ist ja schrecklich," rief Wilhelm ganz entsetzt dazwischen;
„dein erstens, zweitens, drittens und viertens, alles läuft hinaus auf Ver
längerung der Arbeitszeit und Verkürzung des Arbeitslohnes. Also hätten die
Kapitalisten überhaupt kein anderes Interesse, als die Arbeiter zu schinden,
so gut sie nur können!"
„Und das ist auch wahr!" bestätigte Karl. „Du kannst in unserer Fabrik
hinschauen, wohin du willst, alles ist darauf angelegt, entweder Arbeiter zu