Die deutschen Gewerkschaften sind sich bewusst, dass es keine
allgemein gültigen Rezepte der Theorie gibt, die nur praktiziert zu
werden brauchen, um immerwährenden Sonnenschein zu schaffen.
Aber der grosse Gegensatz ist im alten Europa und im besonderen
in Deutschland der gleiche wie im jungen Amerika! Die Realitäten
des Tages werden über der grossen Perspektive der Zukunft von
den Gewerkschaften nicht übersehen. Sie wissen, dass zwischen
dem heute und dem Ziel der Weg liegt. Deswegen haben ihre Ver-
treter bei der Studienreise in den Vereinigten Staaten nicht An-
zeichen der kommenden „grossen Auseinandersetzung‘“ gesucht,
sie haben aber die deutlichen Spuren des Weges gefunden, der zu
sozialen Erkenntnissen und Kämpfen führen muss.
Fbenso wie der amerikanische Arbeiter nur auf seinem eigenen
Boden das werden konnte, was in diesem Bericht geschildert wird,
so ist auch der amerikanische Unternehmer ein spezifisches Pro-
dukt seines Junglandes. Hier sollen nicht die Menschen, sondern
ihre Taten und ihr Tun dargestellt und vergleichend untersucht
werden. Deswegen sind die praktischen Resultate der deutschen
und der amerikanischen Wirtschaft und nicht ihre Theorien mit-
einander in Beziehung gesetzt. Dabei ist nach bestem Wissen und
Gewissen objektiv verfahren worden. Das Urteil ist häufig dem
Leser selbst überlassen, weil es uns selbstverständlich erschien.
Der Standpunkt des deutschen Gewerkschafters ist bekannt genug,
als dass es notwendig erschiene, ihn fortgesetzt zu wiederholen.
2. Das Tempo der Produktion.
Das Tempo der Produktion steht heute im Vordergrund der Dis-
kussion. Dabei wird gemeinhin unter „Tempo der Produktion“ das
Leistungsauantum des Arbeiters in gegebener Arbeitszeit bei be-
stimmter körperlicher Anstrengung verstanden. Hier bleibe noch
unerörtert, dass damit unter einem Sammelbegriff, der schon mehr
ein Schlagwort ist, sehr Unterschiedliches zusammengefasst wird.
Vorerst sei unterstrichen, dass das „Tempo der Produktion“, ganz
gleich, was man sich darunter auch vorstellen mag, aus dem Zu-
sammenhang des lebendigen Kraftfeldes einer Wirtschaft gelöst,
nur bei Berücksichtigung erheblicher Einwendungen beobachtet
werden kann.
Das „Tempo der Produktion“ — auf den arbeitenden Menschen
bezogen — ist in seiner Intensität, nicht nur durch den „guten
Willen“ oder — negativ gesehen — den „bösen Willen“, noch allein
durch die im Arbeitenden vorhandene physische Kraft bestimmt.
Es sind z.B. als das „Tempo“ des Arbeitenden mit beeinflussende
Faktoren die besonderen Voraussetzungen der Arbeit zu beachten:
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