Contents: Die Nationalökonomie in Frankreich

318 Die katholischen und verwandten Schulen in der Gegenwart 
aufrechterhalten. Man darf heute sagen, daß die zukünftige 
Führung im katholischen Lager dem nichtinterventionistischen 
Flügel nicht gehören wird. 
B. Die Interventionisten. 
4. Kapitel. 
Die christlichen Sozialisten. 
Die Enzyklika Leos XIII. vom 15. Mai 1891 über die 
Arbeiterfrage und dessen Schreiben vom 20. Februar 1892 an 
die französischen Katholiken, durch welches er sie aufforderte, 
die bestehende republikanische Staatsform loyal zu akzeptieren, 
wurden Ausgangspunkt einer neuen, intensiven Entwicklung des 
Sozialkatholizismus in Frankreich. Sie war jedoch keineswegs 
eine einheitliche. 
Durch die päpstlichen Schreiben war die politische Frage 
der Staatsverfassung in den Vordergrund gerückt worden. Über 
ihr entzweiten sich nunmehr die Geister. Die feudalen Herren, 
welche die sozialkatholischen Anschauungen aus Familien 
traditionen und aus den Prinzipien mittelalterlicher Staats 
auffassung gefolgert hatten, suchten die päpstlichen Äußerungen 
im Sinne ihrer royalistischen Bestrebungen zu interpretieren. Die 
Bürgerlichen und die aus deren Kreisen hervorgegangenen Geist 
lichen dagegen nahmen größtenteils die päpstlichen Anregungen, 
die republikanische Staatsform anzuerkennen, als eine Sanktion, 
die den Prinzipien von 1789 und der modernen Staatsordnung 
vom römischen Stuhle zu teil werde, mit Freuden auf. Von 
besonderer Bedeutung aber wurde es, daß die tatsächlich nach 
links gesteuerten päpstlichen Schreiben im niederen Klerus ein 
mächtiges Echo fanden. 
Der seit Jahrhunderten in ärmlichen und gedrückten Ver 
hältnissen lebende niedere Klerus in Frankreich war in seinem 
intimsten Denken und Fühlen von jeher demokratisch gesinnt. 
Nie war diese Gesinnung so gewaltsam niedergehalten worden 
als im XIX. Jahrhundert. Der Cäsarismus Napoleons I. hatte
	        
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