Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

jo  '  Aufgaben  und  Methoden  der  Volkswirtschaftslehre.
Ziele  aber  können  wir  auf  verschiedenen  Megeir  kommen,  und
keineswegs  ist  man  sich  in  der  lpiffenschaft  über  den  richtigen
weg  einig.  Der  Streit  um  die  Methode  hat  in  den
letzten  Jahrzehnten  eine  große  Rolle  in  der  Wissenschaft  gespielt.
Jetzt  hat  er  nachgelassen;  aber  nicht,  weil  man  zu  einer  sachlichen
Einigung  gekommen  sei,  sondern  aus  der  Einsicht  heraus,  daß  es
einen  einzig  richtigen  weg  zur  Lösung  aller  wirtschaftlichen
Probleme  überhaupt  nicht  gebe.
Die  klassische  Nationalökonomie  ging  —  ohne  sich
übrigens  grundsätzlich  von  der  angewendeten  Methode  Rechenschaft ­
  abzulegen  —  von  dem  Individualegoismus  aus,  d.  h.  von
der  Annahme,  daß  jeder  Mensch  sein  eigenes  Interesse  am  besten
erkenne  und  verfolge.  Daß  sie  aus  dieser  Voraussetzung  schließlich ­
  eine  Forderung  machte,  daß  sie  in  der  Wirtschaftspolitik  Freiheit ­
  des  Handelns  zur  Erreichung  der  von  ihr  gleichfalls  angenommenen ­
  prästabilierten  Karmonie  der  Interessen  aller
Menschen  verlangte,  sei  nur  nebenbei  erwähnt.  Uns  interessiert
nur,  daß  sie  von  diesen  beiden  Voraussetzungen  aus  eine  Theorie
der  Wirtschaft  aufzubauen  versuchte  und  dabei  schoir  in  ihren
ersten  Vertretern  (Adam  Smith,  Ricardo)  Ergebnisse  erzielte,  die
z.  T.  jetzt  noch  die  Basis  weiterer  Forschung  sind.  Aus  diesem
Wege  des  Aufsteigens  von  gewissen  primären  feststehenden  oder
als  feststehend  angenommenen  Voraussetzungen,  dem  Wege  der
Deduktion,  wir  er  herkömmlicherweise  genannt  wird,  kann
man  durch  rein  'logische  Folgerung  zu  einer  Erklärung  der
Kausalzusammenhänge  des  betrachteten  wifserlschaftsgebietes
kommen.  Das  Musterbeispiel  für  diese  Betrachtungsweise  ist  die
Mathematik  und  insbesondere  wieder  die  euklidische  Geometrie,
die  aus  wenigen  Axiomen  ihr  ganzes  stolzes  Lehrgebäude  aufgebaut ­
  hat.  Diese  Methode  verlangt  die  Möglichkeit  einer  Isolierung ­
  der  zu  beobachtenden  Gegenstände  und.  Vorgänge  von  der
Außenwelt;  es  dürfen  keine  anderen  als  die  einmal  angenommenen ­
  Voraussetzungen  wirkend  sein,  wenn  nicht  die
Bündigkeit  des  Beweises  hinfällig  werden  soll.  Die  Naturwissenschaften ­
  haben  dazu  das  Mittel  des  Experiments;  sie  haben  es  in
der  ^and,  die  Bedingungen,  unter  denen  sich  etwa  die  Vereinigung ­
  zweier  Elemente  vollzieht,  genau  festzustellen  und  jede
weitere  Einwirkung  auszuschließen.  In  dieser  glücklichen  Lage
sind  alle  jene  wissnschaften  nicht,  welche  sich  mit  Vorgängen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.