Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Die  deduktive  Methode.  I  r
innerhalb  der  menschlichen  Gesellschaft  befassen,  weil  der  Mensch
Antrieben  und  Einwirkungen  von  hundert  Seiten  unweigerlich
ausgesetzt  ist.  Das  gälte  selbst  von  Robinson  auf  seiner  Insel,
der  nicht  nur  dem  Einfluß  der  inneren  und  äußeren  Naturbedingungen ­
  unterliegt,  sondern  auch  von  Vorstellungen  und
lvissensinhalten  der  Gesellschaft,  deren  Glied  er  srüher  war.  So
ist  diese  Isolierung  .nur  im  Geiste  möglich,  unkontrollierbrr
durch  das  wirkliche  Geschehen.  '  Daraus  ergibt  sich  schon  die
spezielle  Schwierigkeit  dieser  Methode.  Der  kleinste  Ausschlagwinkel, ­
  die  geringste  Abweichung  vom  Lot  zerstört  Harmonie  und
Standfestigkeit  des  ganzen,  auf  noch  so  wuchtige  Fundamente  gestellten ­
  Gebäudes.
Die  theoretische  Sozialökonomie,  die  sich  der  deduktiven  oder
isolierenden  Methode  bedient,  setzt  eine  Gesellschaft  voraus,  in
der  die  Individuen  reine  „2D  irtfchafts  menschen"  sind,
nur  vom  Lrwerbstrieb  bewegt  werden,  nur  in  der  Rolle  von
Käufern  oder  Verkäufern  von  Grundstücken,  Kapitalien,  2lrbeitskräften,
  lDaren  auftreten.  Und  ihre  Forschung  geht  nun  dahin,
wie  Dietzel  es  ausdrückt,  festzustellen,  „welche  Phänomene,
vermittelt  durch  die  lDillensregungen  dieser  lDirtschaftsmenschen,
sich  in  dieser  lDirtschaftsgesellschaft  abspielen  werden,  falls  dies
oder  jenes  wirtschaftlich  relevante  Ereignis  eintritt,  d.  h.  ein
Ereignis,  durch  welches  diese  lDirtschaftsmenschen  in  ihrem  wirtschaftlichen ­
  Zweckstreben  berührt  werden,  welches  ihnen  die  Gunst
eines  Vorteils  oder  die  Gefahr  eines  Verlustes  bedeutet".  Der
hypothetische  lDirtschastsmensch  muß  ökonomisch  handeln,  d.  h.
nach  dem  Prinzip  des  kleinsten  Mittels,  indem  er  bestrebt  ist,  das
Maximum  wirtschaftlicher  Bedürfnisse  mit  einem  Minimum  wirtschaftlicher ­
  Aufwendungen  zu  erreichen;  es  wird  weiter  angenommen, ­
  daß  der  lDirtschaftsmensch,  der  homo  oeconomicus,
das  Eintreten'  des  wirtschaftlich  wichtigen  Ereignisses  sieht  undwürdigt.
  Mit  anderen  lDorten,  das  „erleuchtete  Selbstinteresse",
wie  man  es  genannt  hat,  muß  ihn  leiten.
Die  Bedeutung  dieser  isolierenden  Methode  für  die  Findung
wirtschaftlicher  Gesetze  ist  groß.  So,  hat  einer  der  größten  deutschen ­
  Nationalökonomen,  Johann  Heinrich  von
Thünen,  in  seinem  berühmten  Buch  vom  „Isolierten  Staat",
folgenreiche  Untersuchungen  über  den  Einfluß  der  Entfernung
und  der  Transportkosten  airf  Vroduktion  und  Bvdenwert  unter
            
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