223
^Da man sich beim Wechsel an zwei oder noch mehr Personen halten
kann, da ferner in gewissen Fällen Sicherheit gefordert werden darf und
Wechselklagen schnelle Erledigung finden, so ist beim Wechseldiskont das
Risiko des Bankiers geringer als bei der Gewährung eines Blanko-
kredits, und insolgedessen die Erlangung eines Diskontkredits erheblich
leichter als die eines Blankokredits. Das geringere Risiko gelangt in der
Berechnung eines niedrigeren Provisionssatzes zum Ausdruck.
Bei der Tratte ist in der Regel der Aussteller der Produzent, und
der Bezogene der Konsument, oder der Aussteller ist der Verkäufer, und
der Bezogene der Käufer der Ware. Der Aussteller gibt den Wechsel
entweder nun auch wieder einem seiner Lieferanten, bei dem er vielleicht
Rohprodukte gekauft hat, oder aber er diskontiert ihn bei dem
Bankier oder bei der Bank, die ihm einen Diskontkredit eingeräumt hat.
Diese Möglichkeit, einen guten Wechsel jederzeit weiterbegeben oder ihn
zu Gelde machen zu können, ist insofern von hoher wirtschaftlicher Be
deutung, als die Kapitalien des Kaufmanns, der häufig Kredit geben
muß, nicht brachgelegt werden. Er ist nicht genötigt, zu warten, bis
sein Geschäftsfreund zahlt, sondern er erhält, wenn er einen Wechsel auf
ihn zieht, sofort bei Ablieferung der Ware das Geld, für das er neue
Rohprodukte kaufen, andere' Unkosten (Löhne, Miete usw.) bestreiten kann.
Für Banken ist die Anlage verfügbarer Gelder im Wechseldiskont
geschäft insofern sehr zweckmäßig, als bei der verschiedenen Fälligkeit der
Wechsel täglich wieder Kasseneingänge erfolgen, über die die Bank dann
den zeitweiligen Verhältnissen entsprechend verfügen kann.
Die Reichsbank macht den Ankauf eines Wechsels nicht allein von seiner
Sicherheit abhängig, sondern sie achtet auf den wirtschaftlichen
Vorgang, der in dem Wechsel seinen Ausdruck findet. Die Wechsel
gehen nicht immer aus Warenverkäufen hervor, dienen vielmehr häufig
lediglich zur Geldbeschaffung. Wechsel, denen kein Wirtschaftsgut zu
grunde liegt, nennt man allgemein F i n a n z w e ch s e l. R i e ß e r
gibt ihnen den Namen L e e r w e ch s e l und versteht darunter Wechsel,
deren Grundlage keine gegenwärtige oder zukünftige Produktion oder
kein ebensolcher Absatz in Industrie, Landwirtschaft, Gewerbe oder Handel
st Am 3t. August 1826 betrug der Wcchselbestand bei der Reichsbank 1251,
bei den deutschen Kreditbanken 1705, bei der Preuß. Staatsbank 98, bei den
Staats- und Landesbanken 341 und bei den Girozentralen 150 Milliarden RM.