Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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bildet,  und  die  auch  nicht  behufs  Mobilisierung  eines  hieraus  oder  aus
einem  sonstigen  Grunde  bereits  bestehenden  Guthabens  gezogen  sind".
Langfristige,  vom  Bankier  oder  der  Bank  auf  eine  andere  Bank  gezogene
Wechsel  dienen  oft  dazu,  fehlendes  Anlagekapital  zu  ersetzen;  sie  sind  daher
als  Leerwechsel  anzusehen.
Auf  unsolider  Basis  aufgebaut  sind  die  Reitwechsel  und  die  Kellerwechsel. ­
  Beide  dienen  zur  unreellen  Kreditbeschaffung.  Beim  Reitwechsel
zieht  der  Aussteller  auf  den  Bezogenen  und  der  Bezogene  auf  den  Aussteller ­
  (sie  „reiten  aufeinander  herum"),  und  durch  Diskontierung  der
Wechsel  —  sie  erfolgt,  um  die  Unlauterkeit  der  Wechselziehung  nicht  sofort ­
  erkennen  zu  lassen,  bei  verschiedenen  Banken  •—  verschaffen  sich  Aussteller ­
  und  Bezogener  die  gewünschten  Mittel  zu  relativ  niedrigem  Zinssatz. ­
  Als  Kellerwechsel  bezeichnet  der  Sprachgebrauch  Wechsel,  die
auf  fingierte  oder  völlig  mittellose  Personen  gezogen  sind.  Um  den  wahren ­
  Charakter  zu  verschleiern,  werden  sie  bei  einer  Bank  zahlbar  gemacht,
lind  der  Aussteller  schafft  bei  Fälligkeit  die  Deckung  an,  in  deren  Besitz  er
durch  Ausschreibung  und  Diskontierung  eines  neuen  Kellerwechsels  gelangt.
Den  wahren  Charakter  eines  Wechsels  zu  erkennen,  ist  dann  sehr  schwer,
wenn  die  Natur  des  zugrunde  liegenden  Geschäftes  dem  Diskonteur  nicht
bekannt  ist.  Ein  Spinner  z.  B.  bezieht  aus  Amerika  Baumwolle  und
akzeptiert  dagegen;  die  versponnene  Wolle  verkauft  er  nach  14  Tagen  an
eine  Weberei  gegen  deren  Akzept;  die  Weberei  verkauft  die  gewebte  Ware
an  eine  Kattundruckerei  und  zieht  wieder  auf  diese.  Jeder  der  drei  Wechsel
muß  als  solidester  Warenwechsel  angesehen  werden,  und  doch  haben  schließlich
alle  drei  Wechsel  nur  dieselbe  Ware  als  Unterlage,  als  Wirtschaftsgut.
In  der  Regel  wird  Wechselkredit  nur  für  k  o  m  in  e  r  z  i  e  l  l  e  W  e  ch  s  e  l
Warenwechsel)  gegeben,  d.  h.  für  Wechsel,  denen  eine  Warenschuld
zugrunde  liegt.  Die  Diskontierung  der  Wechsel  soll  also  ein  bei  ihrem
Verfall  wirklich  beendetes  Geschäft  darstellen.
ß]  Bankdiskont  und  Privatdiskont.
Die  Höhe  des  Diskontsatzes  hat  erheblichen  Einfluß  aus  das
Wirtschaftsleben  eines  Volkes.  Sie  wird  bedingt  durch  allgemeine,
mit  der  eigenen  Volkswirtschaft  eng  verknüpfte  Bestimmungsgrüilde,  wie
Verhältnis  des  Angebots  von  Kapital  zur  Nachfrage,  wirtschaftliche  Ent-Wicklung,
  Lage  der  Industrie  usw.,  und  durch  besondere  Gründe,  wie
            
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