Die Arbeitsteilung.
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nur die Art der Arbeit innerhalb unseres Volkes unendlich ver
schieden ist, sondern auch daß die Verschiedenheit dieser
A r b e i t s a r t die Menschen selbst aufs tiefste beeinflußt, die sie
ausüben. Und weiter, es kann schon nicht jeder ganz beliebig
das eine oder andere werden, wer Baumeister werden will,
der muß zeichnen und rechnen können. Sein Geist muß regsam
und bildsam sein; er muß sich vorstellen können, wie das Gebäude,
das er plant, in der Straße aussehen wird, ob es gut zu den Nach
barhäusern steht. Lr muß die Bedürfnisse der Leute kennen und
verstehen, die darin wohnen sollen, und muß das fjaus danach
einrichten. Lr muß Geschmack haben, damit die Tapeten und die
Decken auch später dem eine Wohltat sind, der in dem Zimmer
leben muß, und nicht ein Greuel, weiter, er muß ein ernster
und gewissenhafter Mann sein, der sich dessen bewußt ist, welche
Verantwortung er übernimmt, damit seine plane und Berech
nungen auch richtig sind und nicht etwa der Bau einstürzt und
die begräbt, die darin sind. — Ganz anders der Maurer. Lr muß
sein Handwerk kennen, muß wissen, wie Stein auf Stein geschichtet
wird, wie das Lot gehandhabt wird, wie der Kalk bindet. Lr
muß'einen Körper haben, der die Arbeit im Freien, in wind und
Wetter verträgt.
wir wissen wohl, daß nicht gerade jeder den Beruf ergriffen
hat, für den seine Gaben ihn bestimmten; vielleicht wußte er
zur Zeit der Berufswahl selbst noch nicht, wohin es ihn später
ziehen werde, vielleicht — und das ist oft genug der Fall — hatte
ex nicht die Mittel, um sich für ein Fach auszubilden, das rhn
anzog, etwa zu studieren; bei vielen entscheidet das gute Zureden
anderer, ja der Zufall.
So entsteht eine bunte Mannigfaltigkeit der Arberten, dre zu
sammen die Volkswirtschaft ausmachen. Nicht weniger als 10397
Berufsbenennungen wies schon die deutsche Berufs- und Gewerbe
zählung non 1395 auf, und seitdem hat sich ein gut Teil neuer
Gewerbe gebildet. v , ,
Da ist z. B. der nützliche Stand der Dienstmänner und Lohn
diener. wir würden vielleicht meinen, ein Dienstmann sei eben
ein Dienstmann. (D nein, da gibt es nach der Berufszählung Be
stellboten, Botenläufer, Dezemeinsammler, Lsochzeitsbitter und
tzöhlenführer, Kofferträger, Schiebeböcker und Schiebkärcher; rm
ganzen 69 verschiedene Arten, deren Unterschiede allerdings denr
Uneingeweihten nicht immer ganz klar sind.