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Die Unternehmung.
ein paar Aktien von jooo Mark von einem Unternehmen hat,
das mit 30 Millionen arbeitet? Für die Geldanlage hat das
Aktienwesen einen entscheidenden Vorzug. Wer Inhaber oder
Teilhaber eines Geschäftes ist, setzt sein ganzes Glück aus eine
Karte; mit dem Schicksal des Geschäfts ist das seinige verknüpft.
Anders wenn dasselbe Kapital, das hier in eine m Unter
nehmen festliegt, in Aktien verschiedener Unternehmungen, an
gelegt wird: das Risiko verteilt sich; geht die eine Fabrik, an der
der Aktionär beteiligt ist, schlecht, so geht die andere dafür viel
leicht um so besser. Bietet so die Aktiengesellschaft dem bloßen
Kapitalbesitzer ohne Unternehmungsgeist und Fähigkeit, selbst ein
Geschäft zu führen, große vorteile, so gewinnt bei dieser Ord
nung der Dinge auch derjenige, der nichts hat als seinen Hellen
Kops und Geschäftsgewandtheit. Auch der Besitzlose, wenn er
nur die nötigen geschäftlichen Fähigkeiten besitzt, hat so die Mög
lichkeit, an die Spitze eines großen Unternehmens als Direktor
zu kommen, und gerade das reizt jetzt vielfach die fähigsten
Köpfe, zur Industrie oder zum Bankwesen zu gehen. Sind doch
in den letzten Jahren so viel höhere Staatsbeamte zur Industrie
übergetreten, daß man geradezu von einer Flucht aus dem Staats
dienste sprechen konnte.
So erfreut sich denn die Aktiengesellschaft einer immer steigen
den Beliebtheit, jsso gab es in Deutschland 38 gewerbliche
Aktiengesellschaften mit 255 Millionen Kapital. In bent einen
Jahre I9U sind in Deutschland *69 neue Aktiengesellschaften
mit einem Kapital von 256 Millionen Mark gegründet worden;
im Jahre 1399 waren es gar 36q. mit 344 Millionen.
. In Deutschland bestanden Ende 1914 insgesamt 4798 Lrwerbs-
aktiengesellschaften, die zusammen an nominellem Aktienkapital,
also abgesehen von Reserven und ihnen sonst zur Verfügung ge
stelltem Gelhe, über nicht weniger als rund *6 Milliarden Mark
verfügten. Zwei Drittel dieses Gesamtkapitals war in den
thänden der größeren Aktiengesellschaften mit mehr als 2 Mil
lionen Mark als Kapital.
Neben der Aktiengesellschaft hat sich in Deutschland in unserer
Zeit noch eine zweite Unternehmungssorm steigender Beachtung
zu erfreuen, die Gesellschaft mit beschränkter lisaf-
1 u n g. In gewisser Weise vereinigt sie — bei mancherlei Nach
teilen — die Vorzüge der Aktiengesellschaft mit denen der
Einzelunternehmung; sie beschränkt, wie die Aktiengesellschaft, das