Full text : Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen

ohne  deren  genaue  Kenntnis  überhaupt  nicht  erklären  lassen.  Das
geht  auch  über  den  Rahmen  dieser  allgemeinen  Betrachtungen
hinaus.
Wie  sehr  geschickte  Kreditinanspruchnahnre  auf  der  einen  Seite,
zu  entgegenkommende  Gewährung,  Gleichgültigkeit  und  Nachlässigkeit ­
  auf  diesem  Gebiete  auf  der  anderen  Seite  die  Gestaltung
der  Valuta  beeinflussen  können,  dafür  ist  das  Verhältnis  des
türkischen  Pfundes  zur  deutschen  Reichsmark  ein  gutes  Beispiel. ­
  Seit  langem  notiert  das  türkische  Pfund  in  Deutschland
über  Parität  (gegenwärtig  1  :  20,5  statt  einer  Parität  von  1  :  18),
zeitweise  betrug  das  Aufgeld  mehr  als  ein  Drittel,  und  umgekehrt
war  das  Disagio  der  Mark  in  Konstantinopel.  Dies  obgleich  die
Türkei  den  größten  Teil  ihrer  Kriegskosten  mit  deutschen  Krediten
deckt.  Diese  Bewertung  rührt  natürlich  nicht  daher,  daß  die  Türkei
ihre  Papiergeldemissionen  (fünf  Ausgaben  im  Gesamtbeträge  von
etwa  95  Millionen  türkische  Pfund)  durch  in  Deutschland  und
Österreich  befindliches  Gold  und  durch  deutsche  Schahanweisungeu
gedeckt  hat,  erst  recht  natürlich  nicht,  weil,  wie  man  nach  der  bisherigen, ­
  mit  dem  Vertrauen  arbeitenden  „Kreditgeld"-Theorie
glauben  müßte,  das  Vertrauen  zum  Staate  in  der  Türkei  größer
war,  sondern  es  hat  darin  seinen  Grund,  daß  die  Türkei  ihre  gesamten
  Einkäufe  in  Deutschland,  die  ja  fast  ausschließlich  Regierungskäufe
  sind,  auf  dem  Kreditwege  macht,  während  das,
was  wir  in  der  Türkei  kaufen,  Waren  des  regulären  Handelsverkehrs ­
  sind,  die  in  bar  bezahlt  werden.  Auch  sonst  kommen
natürlich  durch  unsere  Truppen  deutsche  Zahlungsmittel  in  erheblichem ­
  Amfange  in  die  Türkei,  während  bei  uns  aus  den  angeführten
Gründen  ein  Angebot  türkischen  Geldes  in  der  Regel  nicht  vorhanden ­
  ist.  Ferner  scheinen  mir  aber  auch  in  diesern  Falle  die
inländischen  Preisverhältnisse  in  Betracht  zu  kommen.
Abgesehen  vielleicht  von  Konstantinopel  und  dort  für  gewisse
Lebensmittel,  die  hauptsächlich  von  den  Fremden,  und  zwar  eben
in  Mark  bezahlt  werden,  dürfte  in  dieseni  viel  mehr  naturalwirtschaftlichen
  Lande  die  Preissteigerung  nicht  so  groß  und  jedenfalls ­
  nicht  so  allgeinein  gewesen  sein  wie  bei  uns.  Mangels  einer
Kriegsmaterialindustrie  sind  dort  nicht  in  so  großem  Amfange
Kriegsgewinne,  Einkommensteigerungen  erzielt  worden,  auch  die
Effektenspekulation  spielt  dort  keine  nennenswerte  Rolle;  die  stürmische ­
  Nachfrage  nach  gewissen  Waren  ging  hauptsächlich  von
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