Full text: Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russisch-Polen und dem Deutschen Reiche und die sich daraus für den Friedensschluss ergebenden Folgerungen

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eigene Scholle keinen ausreichenden Lebensunterhalt gewährt und 
die deshalb auf Nebenbeschäftigung angewiesen sind. 
Für die Lage der Landbevölkerung ist ferner charakteristisch 
die große Zahl von Besitzlosen. Durch die Bauernreform von 
1864 war die Zahl der Besitzlosen bis auf 220 000 zurückgedrängt, 
1891 war sie jedoch bereits wieder auf über 880 000 und 1901 
sogar auf 1 220 331 angewachsen.*) Die Zahl der Besitzlosen 
betrug danach 18 % der Gesamtbevölkerung Polens. 
Alle diese Umstände zeigen die polnische Landbevölkerung 
in ärmlichen Lebensverhältnissen, die nur gemildert werden ein 
mal durch den vielfach nicht unerheblichen Besitz der Gemeinden 
an Weiden und Waldgerechtigkeiten, die die Viehhaltung trotz 
der geringen Grundbesitze erleichtern und ferner durch die große 
Bedürfnislosigkeit der Bauern, die sich bei schwachen Ernten 
schließlich auch recht und schlecht durchhungern. Eine im Jahre 
1900 angestellte Untersuchung über das Budget eines russischen 
Bauern — hiervon dürfte dasjenige eines polnischen Bauern nicht 
viel abweichen — ergibt, „daß von 1300 Mark jährlicher Ge 
samteinnahme einer Bauernfamilie, die überdies zur guten Hälfte 
in Naturalien und nur zur knappen Hälfte in Geld besteht, je 
rund 7 bis 8 Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Nach 
den Untersuchungen des Grafen Witte beträgt der Jahreskonsum 
jedes einzelnen Mitgliedes der Bauernfamilien in Geld nur rund 
53 Rubel oder 115 Mark, von denen nach Abzug der Wirtschafts 
bedürfnisse nur noch 26 Mark für die persönlichen Bedürfnisse 
übrig bleiben. Von diesen 26 Mark werden im Durchschnitt nur 
4,75 Mark für die Kleidung, 3,70 Mark für Schnaps, 1,05 Mark 
für Tee und Zucker, knapp 1 Mark für Fisch, 85 Pf. für Pro 
dukte der Viehzucht und 20 Pf. für den also auch in Rußland 
nicht ganz entbehrlichen Artikel Seife ausgegeben.**) 
Die Lage des kleinbäuerlichen Grundbesitzes ist auf die von 
ihnen erzielten Ernten nicht ohne Einfluß geblieben. Aus den 
Ernteberichten der landwirtschaftlichen Zentralgesellschaft in 
Warschau läßt sich erkennen, daß sich die Erträge der bäuerlichen 
Grundstücke durchschnittlich 35—60 % niedriger stellen, als die 
von den Vorwerksdörfern, die öfters in unmittelbarer Nähe 
liegen. 
Das Verhältnis der Durchschnittserträge des Groß- und 
Kleinbesitzes erhellt aus der folgenden Tabelle: 
Strasburger S. 16, von Orpiszewski S. 24. 
**) äSergl. Dr. E. Wallroth: Abschluß eines allgemeinen Zolltnrifab- 
kommens mit Rußland 1915 S. 5.
	        
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