Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Geldbesitzer, lieber Unternehmer zu werden, indem sie Aktien kaufen, statt ihr 
Geld gegen Zinsen zu verleihen. Diese Veränderungen im Inland müssen 
nicht notwendig das Verhältnis zum Ausland beeinflussen, wenn die Zahlungen 
ans Ausland wie bisher in Gold und Golddevisen geleistet werden. Die 
Wirkungen auf den Export und Import hängen dann wesentlich von der Zahlungs 
bilanz und dem eventuell eintretenden Disagio der Noten gegenüber dem Goid- 
geld ab. Im Falle ein Disagio den Import von Industrieartikeln erschwert und 
die eigene Industrie im Aufstreben begriffen ist, es aber nicht nötig hat, Roh 
stoffe zu importieren, wirkt das Disagio des Papiergeldes ähnlich wie ei« 
Schutzzoll, falls es zu Auslandszahlungen ebenfalls verwendet werden sollte. Es 
ist dann im Interesse der Arbeiter und Unternehmer, die Papierwährung aufrecht 
zu erhalten. Wieweit die Bemühungen der Notenbanken, in Kriegszeiten die 
Wechselkurse stabil zu erhalten, von Erfolg begleitet sind, hängt von der Größe 
der durch den Krieg erzeugten Verwirrung, sowie von den gesamten Zahlungs 
verhältnissen ab. Am meisten Erfolg verspricht eine gleichmäßige Handhabung 
der Devisenpolitik, wie sie schon in Friedenszeiten bei manchen Banken üblich 
ist. Hingegen weiß man aus Erfahrung, daß ruckweise Versuche, durch Gold- 
und Devisenabgabe ein Disagio zu beseitigen, die Spekulation noch verschärfen 
kann.127) in welcher Weise man der Devisen- und Valutenspekulation zu Leibe 
geht, kann man schwer allgemein erörtern. Die Österreichisch-ungarische Bank 
hat dies bekanntlich erfolgreich in der Weise gemacht, daß sie als übermächtige 
Käuferin und Verkäuferin bei jeder von ihr als wünschenswert erachteten Ge 
legenheit die Spekulation niederwarf und sie so auf dem Boden der freien Kon 
kurrenz zurückdrängte. In Kriegszeiten wird es aber zuweilen ohne eigentliche 
gesetzgeberische Maßregeln in dieser Hinsicht nicht gehen, wie sie z. B. Chase 
während des Bürgerkrieges, freilich damals ohne wesentliche Wirkung, zur An 
wendung brachte.128) 
Wenn auch die Devisenbestände für die Zwecke der Wechselkursregulierung 
und der Beschaffung von Kriegsartikeln von der größten Bedeutung im Kriegs 
fälle sind, so wird sich doch oft, statt einer Verstärkung der Devisenbestände, 
im Mobilisierungsfall eine Stärkung der Goldbestände empfehlen. Es besteht 
nämlich immer die Gefahr, daß von seiten neutraler Mächte, 
namentlich aber von seiten einer feindlichen Macht, die 
Erfüllung von Wechselforderungen gegenüber den Ange 
hörigen einer kriegführenden Macht irgendwie erschwert, 
wenn nicht gar unmöglich gemacht werden könnte. Es kan« 
dabei formell sogar ganz legal vorgegangen werden. Die Schwierigkeiten, die 
sich kurze Zeit beim Verkauf englischer Devisen im Jahre 1870 in Berlin ergaben, 
weil man England nicht ganz traute, müssen jedenfalls im Auge behalten wer- 
den.129) Entgegenstehende völkerrechtliche Bestimmungen, die auf Abmachungen 
der Großmächte beruhen, geben zwar eine gewisse — aber keineswegs eine immer 
ausreichende Sicherheit. Dies dürfte vielleicht mit die Ursache gewesen sein, 
weshalb die Österreichisch-ungarische Bank, gelegentlich des serbischen Kon 
fliktes, ihren Goldschatz auf Kosten des Devisenschatzes stärkte. Daß überdies 
ein großer Goldschatz das Prestige mehr hebt als ein Devisenschatz, mag auch 
mitgewirkt haben.^^o) Da die österreichisch-ungarische Bank vor allem eng 
lische Devisen besessen haben dürfte, mußte bei der damaligen politischen 
Lage die Vermehrung des Devisenbesitzes um so bedenklicher erscheinen. 
Znletzt sei noch auf die Wirkung großer Zahlungen hingewiesen, die der 
besiegte Staat dem Sieger zu leisten hat. Die großen Geldmassen bewirken) 
nicht selten krisenartige Erscheinungen, weil alles sich an Neugründungen macht, 
die Preise steigen und die Wirtschaft sich rasch ausdehnt. Der Zusammen 
bruch erfolgt, da wir nicht gleichzeitig die Rentabilität mit der Produktivität und 
mit der Liquidität steigern können. Die gesteigerte Produktion führt zu sinkender 
127) C. V. Hock, a. a. O. 
128) Vgl. C. V. H o c k, a. a. O. S. 479. 
129) J. Rießer, a. a. O. S. 26. 
130) w. Federn, a. a. O. S. 159.
	        
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