Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Rentabilität und in der Folge zum wirtschaftlichen Zusammenbruche. Sowohl 
Deutschland nach dem Französischen Krieg als auch Japan nach dem Chinesischen 
Krieg 1^1) haben diese Folgen zu verspüren bekommen. Bleibt auch vieles von 
dem bestehen, was die Zeit des Aufschwunges geschaffen, so sind die Schäden noch 
immer arg genug, besonders schwer lastet aber auf allen die Konsumbeschränkung, 
obgleich alle Bedingungen zu einer Mehrproduktion gegeben wären. 
Durch die Zahlung einer großen Geldsumme wird eine Verschiebung der 
Realeinkommen zweier Völker einen mäßigen Grad kaum überschreiten können. 
Zunächst darf nicht vergessen werden, daß die entzogenen Umlaufmittel durch 
eine Reihe von Vorkehrungen ersetzbar sind. Wenn überdies, wie dies von seiten 
Frankreichs 1871 geschah, die Gelder größtenteils in Form von Anleihen aufge 
nommen werden und nur ein Teil in Bargeld, der Rest in Devisen und anderen 
Geldsurrogaten bezahlt wird,i32) so braucht der Staat nur Geld für die nächsten. 
Jahre zu beschaffen, um die Renten zu zahlen, was bei entsprechenden Pro 
duktionsverhältnissen nicht allzu schwierig ist. Der Staat hingegen, welcher 
die Geldsumme erhält, kann sie zwar in die Zirkulation werfen, erreicht dadurch 
aber zunächst keine größere Produktenmenge, da ja nicht ebenso rasch eine 
Mehrproduktion erfolgt. Die nächste Wirkung sind Preissteigerungen ; überdies 
hängt nun alles davon ab, auf welcher Stufe der Staat steht; ist er z. B. ein be 
ginnender Industriestaat, so strömt ein großer Teil des Geldes ins Ausland, um 
Maschinen usw. zu beschaffen. Angenommen, Deutschland beschafft auf diese 
Weise Maschinen aus Frankreich, so geht ein Teil des Geldes nach Frankreich, 
dies bedeutet aber nun nicht etwa, daß Deutschland sich einen größeren Teil der 
französischen Realproduktion zu sichern vermag, da ja die nach Frankreich 
strömenden Gelder in Frankreich zunächst keine Erweiterung der Produktion er 
möglichen. Wir sehen aus all dem, daß selbst eine große Geldzahlung keinen 
übergroßen Schaden verursachen, daß ein übergroßes Einströmen von Geld aber 
auch keinen übergroßen Nutzen stiften kann, da ja einer starken Vermehrung 
der Produktion und Konsumtion durch unsere Einrichtungen Schranken gesetzt 
sind. Solche Vorteile und Nachteile treten daher in der Geldwirtschaft immer 
innerhalb einer mäßigen Spannweite auf, die weit größer wäre, wenn 
wir in einer Naturalwirtschaft wären. Angenommen, zwei 
Staaten nützten ihre Produktivkräfte voll aus und man würde 
dem Staat, der Eisen - und Kohlengruben hat, seine Kohlen 
gruben wegnehmen und ausschließlich selbst verwenden, 
so würde eine entschiedene Schädigung des Gegners vor 
liegen. England hat früher diese Politik mit vollem Erfolg praktiziert, es hat 
zunächst nicht den Geldmarkt, sondern vor allem den Warenmarkt beherrscht. 
Durch geschicktes Operieren auf dem Geldmarkt wird die Herrschaft auf dem 
Warenmärkte gefördert. Aber in volle Abhängigkeit kann ein Staat dadurch schon 
deshalb nicht kommen, weil ihm noch immer die Möglichkeit des Bankerotts 
bleibt. Derselbe bedeutet ja für Staaten nicht den wirtschaftlichen Untergang, 
sondern nur die Befreiung von Lasten, mit gleichzeitiger Erschütterung des Kredite, 
der aber meist bald genug wiederkehrt. Ist der Gläubigerstaat aber gewillt, den 
Bankerott mit Waffengewalt zu verhindern, so vermag er auch die unmittelbare 
Abhängigkeit zu erzwingen, und demgegenüber gibt es für den Staat nur ein 
Mittel — den Krieg. 
Als Hauptergebnis unserer Untersuchung können wir etwa folgendes be 
zeichnen: Der Kriegsfall zwingt die Gesamtheit in stärkerem Maße als sonst, 
die zur Verfügung stehende Gütermenge im Gegensatz zur vorhandenen 
Geldmenge ins Auge zu fassen. Im Kriegsfall wird es weit offenbarer als 
im Frieden, daß die Überlegenheit an Waffen, Munition, Verpflegung, Transport 
mitteln entscheidend ist; womit nicht geleugnet werden soll, daß die finanzielle 
Überlegenheit militärische Niederlagen zuweilen kompensieren kann. Das Geld 
erscheint deutlicher nur als eiiieä der vielen Mittel, um die Güterbeschaffung zu 
131) Vgl. Inouy, Geschichte der finanziellen Entwicklung Japans in ,,Unser 
Vaterland Japan“. Leipzig 1904, S. 295. 
132) Vgl. Renauld, a. a. O. S. 73.
	        
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