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ermöglichen. Der Staat pflegt in Zeiten der Not dies Werkzeug mit mehr Energie
als sonst zu formen und zu seinen Zwecken zu gebrauchen. Erweist es sich
als unbrauchbar, so scheut er nicht vor Umwandlungen der Wirtschaftsordnung-
zurück. Namentlich bleibt ihm eine letzte Möglichkeit bei vorhandenen produk
tiven Kräften, ^ber ungenügenden Geldverhältnissen — die Naturalwirt
schaft.
Wir sahen, daß der Krieg seit jeher dem Sieger Vorteile gebracht hat,
wir sahen, daß die Schäden für den Besiegten zu verschiedenen Zeiten ver
schieden groß war. Viel bemerkenswerter erschien aber die Tatsache, daß der
Krieg weniger Schaden verbreitet, als man auf den ersten Blick, bei der Be
trachtung der großen Vernichtung von produktiven Kräften und ihrer Verwendung
zu Kriegszwecken, erwarten sollte. Dies hängt, wie wir zu zeigen versuchten,
damit zusammen, daß unsere Friedenswirtschaft keine volle Entfaltung unserer
Kräfte kennt, und daß der Krieg zuweilen diesen die Möglichkeit gibt, wirksam
zu werden, sei es, daß die Produktivität über die Rentabilität gesetzt wird, sei es,-
daß der Zirkulationsapparat von Beschränkungen befreit wird, die ihm sonst
anhaften. Auch die Aufsaugung der durch unsere Wirtschaftsordnung gegebenen
relativen Überbevölkerung wirkt vielfach belebend. Die Klage über den großen
Schaden des Krieges entspricht daher weit weniger den Tatsachen, als viel
mehr die Klage darüber, daß wir in einer Ordnung leben,
in der solch große Verwüstungen keinen übermäßigen Scha
den anrichten, ja zuweilen sogar noch erlösend wirken. Die Tatsache,
daß der Krieg selbst nicht die Hauptursache dieses Aufschwunges ist, regt
die Frage an, wie sich das gleiche Resultat, vielleicht sogar noch mehr, auf
friedlichem Wege erreichen lasse. Würde eine Reform möglich sein, welche die
unbeschränkte Produktion und Konsumtion gestattet, so würde der Krieg eine
größere Geißel als heute sein ; dann würde er vielleicht auch häufiger unterlassen
werden. Es kann daher möglicherweise am meisten erreicht
werden, wenn man nicht den Krieg direkt bekämpft, sondern
manche Mängel unserer Wirtschaft, welche seine Schrecken
mildern und seine Vorteile erhöhen.