Bildende Kunst und Musik.
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wurden denn sogenannte Collegia musica begründet, und in
ihnen ertönte immer heiterer und schließlich auch in zunehmender
gesellschaftlicher Stimmung die Kammermusik. Schneller aber
fast noch als sie entwickelte sfich aus ihnen und aus dem kleinen
Orchester das große und das öffentliche Konzert: tauchten leise
die Anfänge des modernen Musiklebens empor.
Ehe diese Wandlung aber, in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts, deutlicher hervortrat, hatte sich neben dem
Orchester das Klavier Anspruch auf selbständige instrumentale
Geltung errungen. Es war, auch sozialgeschichtlich betrachtet,
ein Vorgang von außerordentlicher Bedeutung. Denn jetzt
erst zog die instrumentale Musik in allen Weiten wenigstens
ihrer Konzeption, wenn auch nicht ihrer Durchführung in das
Haus jedes Gebildeten, und vor allem in die Salons und die
Stuben auch des mittleren Bürgertums ein; und ein musika—
lisches Treiben erwachte, das schon Kant zu dem bösen Worte
von der Musik als einer aufdringlichen Kunst den Anlaß gab.
Inzwischen aber war an einer besonderen Stelle deutschen
Lebens auch eine besondere musikalische Entwicklung im Bereiche
eines besonderen Standes eingetreten: in sterreich hatte sich
der höhere Adel des Mäcenats der Musik bemächtigt. Es war
in Zeiten, in denen das Klavier noch nicht seine orchestrale Ge—
walt entfaltet hatte, sondern erst in der Keimform des Cembalo
vorhanden war: so kamen für die Aufführung höherer Musik
als Tonwerkzeuge zunächst nur die menschliche Stimme und
das Orchester in Betracht. Mußten unter diesen Umständen
zur Pflege höherer Musik auf dem Lande besondere Sänger
und Instrumentalisten gehalten werden, so war von vornherein
klar, daß dazu nur ein reicher Adel imstande war. Aber sollte
selbst dieser sich da, wo zahlreiche Fürstenhöfe mit Kapellen
italienischer Musik dicht beisammen lagen, wie das vielfach im
Westen und Norden Deutschlands der Fall war, dem kost⸗
spieligen Vergnügen hingeben? Eigentlich nur Osterreich kam
hierfür in Betracht, wo vornehmlich seit dem 17. Jahrhundert
ein reicher Adel über weite Flächen Landes sozial alleinherrschend
verstreut saß.