Full text : Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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mus  Condillacs  gipfelt 1 .  Um  nun  bei  Deutschland
zu  bleiben:  Da  haben  wir  zunächst  die  „rationale“
Psychologie,  die  zunächst  freilich  nur  metaphysische
Seelenlehre  war.  Dazu  kommt  aber  die  empirische
Psychologie,  der  Chr.  Wolff  die  Tore  des  Systems  öffnete ­
  und  die,  unterstützt  durch  die  Arbeit  zahlloser
Sammler  von  Einzeltatsachen,  sich  in  ganz  modernem
Geist  entwickelte  —  auch  ethnologisches  Material
verwertete,  so  daß  sich  schon  die  moderne  Sozialpsychologie ­
  einer-  und  die  moderne  Völkerpsychologie ­
  andererseits  bemerkbar  macht.  Wie  stark  dieses
Interesse  war,  zeigt  Moritz’  „Magazin  für  Erfahrungsseelenkunde“. ­
  Und  Wolffs  Eortsetzer,  Feder  und
andere,  unter  denen  Tetens  hervorragt,  bebauten  mit
schönstem  Erfolg  den  Neubruch.  Auch  die  Empfindungsanalyse, ­
  die  uns  jedoch  weniger  berührt,  die
später  Goethe,  Schopenhauer,  Johannes  Müller  u.  a.
entwickelten,  kündigte  sich  an.  Daneben  aber  entstand, ­
  zum  Teil  getragen  durch  das  populäre  Verlangen ­
  nach  „Menschenkenntnis“,  eine  Charakterologie, ­
  eine  Psychologie  der  individuellen  Differenzen
würden  wir  heute  sagen,  die  in  unseren  Tagen  neu
auf  blüht.  Das  Verdienst  Lavaters  und  mancher  anderer ­
  wurde  freilich  —  zum  Teil  wegen  mancher
Sonderbarkeiten,  die  den  Kern  der  Sache  verhüllten
—  nicht  ganz  nach  Gebühr  gewürdigt.  Auch  die

1  Ein  gutes  Beispiel  wieder  für  die  Verquickung  von  einzelwissenschaftlichera
  Resultat  und  philosophischer  Spekulation,  dafür,
wie  schwer  es  uns  fällt,  den  alten  Glauben  aufzugehen,  daß  die
Wissenschaft  auch  schon  Weltanschauung  sei  oder  doch  ohne  weiteres ­
  zu  einer  Weltanschauung  führe.
            
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