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— auch für den, der weder die Bausteine, noch das
Gebäude, noch dessen philosophische Deutung mit
ungemischter Freude hinzunehmen vermag, auch für
den, der meint, daß Comte seinen eigenen Grund
gedanken in wesentlichen Punkten verdorben, sich
über seine wahre Bedeutung in wesentlichen Punkten
getäuscht hat, auch für den, dem der Tribut, den der
große Mann der Sterblichkeit gezollt hat, allzu groß
erscheint. Hier kommt für uns nur der Weg in Be
tracht, auf dem Comte in die soziale Problemgruppe
einzudringen suchte — der Weg von Seite der exak
ten Naturwissenschaft: Von Mathematik zu Mecha
nik und Astronomie, von Mechanik und Astronomie
zu Physik im engern Sinn, von Physik zu Chemie,
von Chemie zu Biologie, von Biologie zu Soziologie —
Stufen einer Leiter, von denen jede die Voraus
setzungen der folgenden geben sollte. In gleichem
Geist, womöglich mit den gleichen Methoden, wie die
Naturwissenschaften, als eine derselben, sollte eine
Wissenschaft vom sozialen Geschehen entstehen:
Also so ziemlich im schärfsten Gegensatz zu der
Ideenwelt der Bomantik, den man wohl ausdenken
mag. Aber nicht weniger scharf war der Gegensatz, in
den sich Comte zu den überkommenen Sozialwissen
schaften stellte. Wie kam das nur? Nun, die Antwort
ist leider sehr einfach: Er kannte sie kaum. Auch er
kannte fast nur die populären Schlagworte über sie,
und auch er drang nie tiefer in sie ein. So konnte
er sie für aprioristische unwissenschaftliche Spe
kulationen halten — wenig besser als die Scholastik.
So meinte denn auch er, daß da so gut wie nichts